Brauereicoup
Jetzt gibt's das Bier mit dem Bergedorf-Wappen
Bergedorf. Drei Bergedorfer bringen eine lokale Biermarke unter dem Namen "Bergedorfer Bier" auf den Markt. Das Bier soll geschmacklich an das Produkt der "Actien-Brauerei zu Bergedorf" anknüpfen, die nach ihrer Gründung im Jahre 1836 weltweite Bekanntheit erlangte. Von Carsten Neff
Es zischt frisch, als sich der Kronkorken hebt. Deutlich dunkler als das gewohnte Pils perlt der Gerstensaft in das Stilglas. Obendrauf thront wölkchen-weiß die schaumige Blume. Langsam folgt ein Tropfen der Schwerkraft, bahnt sich seinen Weg über das Bergedorfer Wappen, eingerahmt von zwei goldgelben Weizenähren.
"Das ist mein Bergedorfer Bier." Hans-Jürgen Bausewein stellt das Glas sichtlich stolz auf den Tisch. Dabei leuchten die Augen des 62-Jährigen so wie die eines Schülers, der seiner Schwester das lange versteckt gehaltene Weihnachtsgeschenk überreicht.
Bausewein hat allen Grund zur Freude. Fünf Jahre lang hat der Rechtsanwalt und ehemalige Reemtsma-Manager an der Realisation des Bergedorfer Biers getüftelt. Er hat in der lokalen Bierhistorie gegraben, mit Markenanwälten und Brauereien verhandelt, mit Braumeistern immer wieder die Rezeptur abgestimmt und mit der Werbeagentur die Design-Entwürfe abgestimmt. Ab heute steht das Bergedorfer Bier in den Regalen der Supermärkte. Eine lokale Premium-Marke, nur als 0,5-Liter-Flaschen erhältlich. Empfohlener Verkaufspreis Sixpack: 4,99 Euro.
"Die Distribution hat gerade noch rechtzeitig zum Start der 850-Jahre-Feiern geklappt ", berichtet Bausewein erleichtert. Am kommenden Montag wird das Bergedorfer Bier offiziell im Rahmen des 850-Jahre-Festaktes den geladenen Gästen im Haus im Park vorgestellt. Am 30. März können dann die Bergedorfer bei einer Freibier-Verkostung im Marktkauf-Center "ihre" lokale Biermarke probieren.
Die knüpft geschmacklich an die traditionelle Braukunst der 1863 gegründeten "Actien-Brauerei zu Bergedorf" an. Das "Bergedorf Beer" aus der Brauerstraße, der heutigen Chrysanderstraße, war damals weltberühmt. Es wurde als Exportschlager vor allem in die deutschen Kolonien und südeuropäische Länder ausgeführt und dort mehrfach mit internationalen Brauereimedaillen ausgezeichnet.
So wie damals ist auch die Neuauflage, das Bergedorfer Bier, dunkelgold in der Farbe, leicht malzig im Geschmack und wenig gehopft. Und der Gerstensaft hat es in sich: Mit 5,8 Prozent Alkohol ist es stärker als das übliche Pils. "Da Alkohol ein Geschmacksträger ist, hat das Bergedorfer Bier auch einen außergewöhnlich vollmundigen, kräftigen Geschmack", erklärt Bausewein: "So wie es auf der Flasche steht – eben urkräftig."
Knapp 100.000 Flaschen sollen in den nächsten Tagen an den lokalen Handel ausgeliefert werden. Damit die Markteinführung klappt, hat sich Initiator Bausewein mit zwei Branchenkennern zusammengetan. Der Vierländer Einzelhandelskönig Niko Clausen (61) gilt als erfolgreiche Spürnase für lukrative Geschäftsideen und Burkhard Schopen (62) ist ein alter Hase im Biervertrieb, zuvor jahrelang für die Holsten-Brauerei unterwegs. Die drei sind nun Geschäftsführer der neu gegründeten Bergedorfer Braugesellschaft.
Gebraut wird das Bergedorfer Bier allerdings nicht in Bergedorf, sondern in Altona – in den Holsten-Kesseln. Und es gibt ein Stillhalte-Abkommen mit der Oettinger-Brauerei, welche die Lizenz für den Export des ursprünglichen "Bergedorf Beer" hält.
Im Lohbrügger Wasserturm fließt bereits Bergedorfer Bier
Den drei Geschäftsführern der Bergedorfer Braugesellschaft ist die Freude über ihren Biercoup (siehe Titelseite) anzusehen. "Das Bergedorfer Bier ist für uns mehr als eine Geschäftsidee", betont Niko Clausen, Chef des Vierländer Edeka-Marktes in Curslack: "Eine eigene lokale Biermarke auf den Markt zu bringen, ist doch ein Riesen-Spaß." Ob das Bergedorfer Bier über das 850-Jahre-Jubiläum hinaus dauerhaft im Angebot bleibt, müssten nun die Bergedorfer entscheiden. "Es ist einen Versuch wert", meint auch Initiator Hans-Jürgen Bausewein und ist sich so gut wie sicher: "Das Bier trifft den Bergedorfer Geschmack."
Zumindest der regionale Einzelhandel hat die Idee des Bergedorfer Biers begeistert aufgegriffen. Die Sixpacks mit den Halbliterflaschen stehen ab heute nicht nur bei Clausen in den Regalen. Auch das Marktkaufcenter, der Edeka-Markt im CCB, die Moorfleeter Getränkequelle und Möllers Bierladen führen ab sofort das Bier. "Mit den REWE- und Netto-Märkten laufen noch die Verhandlungen", erklärt Burkhard Schopen, im Trio für den Vertrieb zuständig.
Natürlich soll das Bergedorfer Bier auch in den hiesigen Gaststätten ausgeschenkt werden. Der Inhaber der neuen Kneipe "John Turner Tower" im Lohbrügger Wasserturm hat als erster reagiert. "Wir haben das Fass schon angestochen", sagt Björn Wendel. Und der Bierkenner, eigentlich ein Fan der englischen Braukunst, nickt zustimmend mit dem Kopf: "Das untergärige Bergedorfer Bier schmeckt, es wird auch unseren Gäste gut munden."
Nur die Tore des Bergedorfer Schlosses bleiben für das Bier mit dem gelben Bergedorf-Wappen verschlossen. Dort wird bei Veranstaltungen exklusiv das ursprüngliche"Bergedorf Beer" ausgeschenkt. Im Jahr 2008 wurden bei der Feldschlösschen-Brauerei noch 80 Millionen Dosen für den Export abgefüllt. Seit 2010 hat die Oettinger-Brauerei die Lizenz.
Mit dem Brauerei-Goliath hat sich die neue Bergedorfer Braugesellschaft gütlich geeinigt. "Unsere Biere sind völlig unterschiedlich", erklärt Initiator Hans-Jürgen Bausewein. "Unser Bergedorfer Bier ist ein traditionelles Bier in modernem Design, das im Schloss ausgeschenkte "Bergedorf Beer" dagegen ist ein modernes Pils mit altem Logo." Sicherheitshalber haben sich die drei Bergedorfer ihren Biernamen aber als Herkunftsmarke schützen lassen.











