Bezirksversammlung
"Schwere Fehler" - Das Mahnmal soll dennoch kommen
Donnerstag, 23. Februar 2012 20:46
- Von Ulf-Peter Busse
Bergedorf. Die Politiker aller Fraktionen sind sich einig: Bergedorf braucht ein Mahnmal für die Leiden der Zwangsarbeiter, auch in Form des grauen Beton-Klotzes, der seit Tagen so heftig diskutiert wird. Aber: In der Vorbereitung ist fast alles schief gelaufen, die beschlossene Ausschreibung gab es bislang nicht.

Foto: Busse
Bezirksversammlungs-Präsident Christoph Mallok bei seiner Rede. Er sieht die öffentliche Diskussion durch unsere Zeitung angefacht.
Eigentlich ist nichts klar – außer dem guten Willen der Bergedorfer Politik:
Das geplante Zwangsarbeiter-Mahnmal am Schleusengraben soll kommen. Aber
weder die Finanzierung der 17.000 Euro steht, noch gibt es bisher einen
Vertrag mit dem Künstler. Das wurde gestern in der Aktuellen Stunde der
Bezirksversammlung klar.
Schlimmer noch: Auch die Schulen fühlen sich vor den Kopf gestoßen, weil ihnen
in der Ausschreibung vom Herbst 2011 eigentlich die Realisierung der
prämierten Schüler-Idee versprochen war. Nun hat der renommierte Bildhauer
Jan de Weryha aber aus dem eher filigranen „Mensch in der Schraubzwinge“ den
monumentalen Betonklotz mit Sehschlitz gemacht. Und genau das macht die
Fraktion von FDP/Piraten wütend: „Wir hatten in der Bezirksversammlung im
vergangenen August einstimmig über aller Parteigrenzen hinweg beschlossen,
Angebote für die Realisierung einzuholen, also die Sache auszuschreiben“,
stellte Ernst Mohnike fest. „Ich fordere, genau das auch zu machen.“
Dem mochte auch Bezirksversammlungs-Präsident Christoph Mallok (SPD) nicht
widersprechen. Aber gewürzt mit heftiger Schelte in Richtung der
Berichterstattung unserer Zeitung: „Diese Artikel waren es erst, die die
Diskussion so sehr polarisiert haben, dass es sogar zu persönlichen
Beschimpfungen kam.“
Für Jan Penz (Piraten) liegt der Grund dagegen „am undurchsichtigen Verfahren,
mit dem wir zu diesem Mahnmal kommen wollen. Die Menschen begreifen einfach
nicht, warum das 17.000 Euro kosten soll. Wir sind es, die das nicht
vermitteln konnten.“
Wie das Problem gelöst werden kann, soll nun ein kleiner Arbeitskreis
ermitteln, der sich um die Vize-Bezirksamtschefin bildet. Angela
Braasch-Eggert versprach: „Wir werden einen Plan des weiteren Ablaufs
erstellen und für eine haushaltsrechtlich korrekte Umsetzung sorgen.“ Bisher
seien einfach zu viele Gruppen und Institutionen am Projekt beteiligt
gewesen.
An der Enthüllung während der Woche des Gedenkens im April hatte dennoch
niemand der Politiker Zweifel. Auch deshalb, weil sich alle Fraktionen für
de Weryhas Entwurf aussprachen. In den Augen von Liesing Lühr (GAL) war
deshalb die Aktuelle Stunde auch der falsche Weg, sich mit dem Thema zu
befassen: „Was hier heute passiert ist, dient doch nur der politischen
Selbstdarstellung. Dabei brauchen wir konstruktive Gespräche. Denn wenn wir
ehrlich sind, ist allen doch erst durch die Zeitungslektüre der vergangenen
Tage deutlich geworden, dass mit dem Mahnmal schon sei Monaten etwas schief
läuft.“
Bergedorfer Zeitung Online
- Denkt mal, es wäre das Mahnmal
- Das Mahnmal soll in wenigen Tagen fertig sein
- Nach Reizgas-Attacke: Attentäter schon wieder frei
- Nach dem Attentat: Täter spricht über den Anschlag
- Bergedorf setzt ein Mahnmal für Zwangsarbeiter
- Aktuelle Stunde zum Mahnmal-Streit
- Mahnmal-Entwurf wird zum Zankapfel
- Mahnmal macht Promenade zum Kunst-Abstellplatz - Der Entwurf ist umstritten
- Mahnmal: Betonstele wird Freitag eingeweiht
- Rechtsradikaler Anschlag auf polnische Delegation

Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
Gastro-Tipps
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche















Matthias Wilde meint:
@Cosmo: Ich teile Ihre Meinung, dass das Geld an anderer Stell dringender gebraucht würde.
@alle: Und ich möchte meinen Kommentar nicht als Kritik an der Person des Herrn de Weryha verstanden wissen. Ich kenne ihn nicht persönlich und habe bisher keinen Grund, einen Groll gegen ihn zu hegen. Mir geht es nur um die Sache an sich.
Ing. Glick meint:
maxernst meint:
Worüber ich mich, nun im ernst, freue ist das diese redaktion der zeitung sich endlich was traut.........
Desweiterhin halte ich eine dikussion, innerhalb der allgemeinen kürzungen des senats, über "kunst" im öffentlichen raum für überflüssig.!