21.02.12

Bezirksversammlung

Aktuelle Stunde zum Mahnmal-Streit

Bergedorf. Die intensive öffentliche Diskussion über das geplante Mahnmal auf der Promenade am Schleusengraben findet ihren Widerhall in der Bezirksversammlung. Am Donnerstag diskutieren die Abgeordneten in einer Aktuellen Stunde, warum das 17.000 Euro teure Mahnmahl schon vor dessen Aufstellung derart hohe Wellen schlägt. Von Ulf-Peter Busse

Stein des Anstoßes: das geplante Zwangsarbeiter-Mahnmal aus Beton auf der Promenade zwischen Schleusengraben und CCB-Fachmarktzentrum (Fotomontage).
Foto: de Weryha Stein des Anstoßes: das geplante Zwangsarbeiter-Mahnmal aus Beton auf der Promenade zwischen Schleusengraben und CCB-Fachmarktzentrum (Fotomontage).

"Uns hat der Hinweis der Kulturmanagerin Petra Jäger aufhorchen lassen, dass Politik und Verwaltung bei der Vorbereitung des Projekts mindestens blauäugig, eigentlich sogar dilettantisch vorgegangen sind", sagt Jan Penz (Piraten), dessen gemeinsame Fraktion mit der FDP die Aktuelle Stunde beantragt hat. Zusammen mit Ernst Mohnike (FDP) will er die Debatte mit Fragen zu konkreten Zielen des ursprünglich als Wettbewerb unter Schülern aufgezogenen Mahnmals eröffnen.

Genau in diesem Punkt sieht sich auch der Künstler Jan de Weryha alleingelassen. Er war eigentlich nur Mitglied der Jury, die die Schüler-Einsendungen am 27. Dezember auswertete und den "Mann in der Schraubzwinge" als Sieger auswählte - eingereicht von der Abiturientin Ella Nora Sloman (17). "Im Januar erfuhr ich dann, dass ich es bin, der aus der Bleistiftskizze mit ihr ein realisierbares Mahnmal machen soll. Bis dahin sah ich das als Aufgabe ihres Kunstlehrers", sagt de Weryha.

Also habe er sich mit der Abiturientin mehrfach getroffen, um Idee und Realisierbarkeit unter einen Hut zu bekommen: "Ursprünglich standen dafür nur 11 000 Euro zur Verfügung. Aber eine Bronzeplastik wie die vorgeschlagene wäre in der nötigen Größe schnell auf 30 000 Euro gekommen." Immerhin sei der Etat daraufhin auf 17 000 Euro inklusive Mehrwertsteuer angehoben worden.

Die intensive Reaktion auf den nun vorliegenden Entwurf sieht Jan de Weryha grundsätzlich positiv: "Es tut jedem Kunstwerk gut, wenn es in der Öffentlichkeit so reflektiert wird. Zwar gab es auch persönliche Anfeindungen, die mich sehr getroffen haben. Aber mittlerweile sehe ich darüber hinweg und setze das Projekt bis zur Einweihung am 15. April um. Auch wenn ich noch immer keinen offiziellen Auftrag dafür habe."

Trotzdem weiter schmerzlich für de Weryha ist die Konsequenz, die Ella Nora Sloman aus dem Wirbel gezogen hat: "Sie schrieb mir, dass sie angesichts des Trubels der vergangenen Wochen nicht mehr mit mir am Projekt arbeiten will."

Auf der anderen Seite bekommt der Bildhauer große Unterstützung renommierter Kunsthistoriker. So schreibt Prof. Dr. Matthias Bleyl auf de Weryhas Homepage ( www.de-weryha-art.de ), dass Bergedorf hier ein Mahnmal im besten Sinne bekommt: polarisierend und von "erstklassiger künstlerischer Qualität".

Die aktuelle Stunde in der Bezirksversammlung am 23.02.2012 beginnt um 18 Uhr und ist öffentlich.

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