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Tod im Bahnhof - Jetzt spricht der Wirt: "Es gab keine Fehler!"

Bergedorf. Nach dem Tod eines 56-jährigen Gastes stellt sich "Pamukkale"-Wirt Mehmet Yalcin vor seine Mitarbeiter. Die Reaktionen der Bergedorfer reichen von Beschimpfungen bis zum Durchhalte-Brief. Im Imbiss ist es merklich leerer.
Bahnhof Bergedorf Bunker / Pamukkale
Foto: Neff
Seit 2006 gibt es den Döner-Imbiss im Bahnhof, das Stammlokal ist an der Alten Holstenstraße.
Mehmet Yalcin ist sichtbar gestresst. Der 49-jährige Gastronom setzt sich nervös an den Ecktisch seines Döner-Imbisses im Bahnhof. Mantel und Schal legt er nicht ab. Sofort sprudelt es aus ihm heraus: „Ein Mensch ist gestorben – das tut uns allen so leid!“ 1990 habe er sein erstes „Pamukkale“-Lokal in Bergedorf eröffnet. „So etwas ist noch nie passiert. Seit Sonntag erleben wir die Hölle.“
Der Grund: Zwei Angestellte seines Imbisses stehen öffentlich in der Kritik. Wie berichtet, sollen sie Sonntagnacht einen 56-jährigen Gast kurz vor Feierabend rüde vor die Tür geschleift und bei minus vier Grad hilflos am Bahnhofseingang abgelegt haben. 15 Minuten später hatte der Mann keinen Puls mehr, Sonntagabend war er tot. Die Obduktion ergab, dass der Obdachlose an einer schweren Vorerkrankung starb, dennoch steht der Vorwurf der „unterlassenen Hilfeleistung“ im Raum, sogar von „Fahrlässiger Tötung durch Unterlassen“ ist die Rede. Die Kriminalpolizei ermittelt.
„Pamukkale“-Chef Yalcin kann das nicht verstehen. „Meine Angestellten sind keine Ärzte, dem Mann war sein Zustand nicht anzusehen.“ Ein 19-jähriger Mitarbeiter habe den Gast am Arm nach draußen geführt, nachdem dieser mehrere Aufforderungen, das Lokal zu verlassen, ignoriert habe. „Ich kann nicht erkennen, dass mein Mitarbeiter aus der Situation heraus etwas falsch gemacht hat.“ Hinterher sei man immer schlauer.
Im Polizeibericht, der sich auf ein Überwachungsvideo stützt, stellt sich der Vorfall etwas anders dar: Auf dem Video wird der Gast von zwei Imbiss-Mitarbeitern unter den Armen gestützt. Einige Schritte geht er auf eigenen Beinen, dann sackt der 56-Jährige zusammen. Die beiden legen ihn am Bahnhofseingang ab, an eine Mauerecke gelehnt.
Mehmet Yalcin kennt das Video nicht, glaubt seinem Personal. Nachdem der 19-Jährige am Sonntag vorläufig festgenommen wurde, besorgte sein Chef ihm einen Anwalt. Beide Mitarbeiter werden auch künftig am Dönerspieß stehen. „Wir machen am Wochenende den Laden um fünf Uhr zu und um sechs schon wieder auf“, erklärt Yalcin den Zeitdruck seiner Angestellten: „Die Stunde brauchen wir, um sauber zu machen und abzurechnen.“ Häufig wollten seine Gäste einfach nicht gehen, weil es im Imbiss schön warm sei. „Wenn wir dafür dann die Polizei rufen, ist manchmal schon die Stunde rum, bis der Streifenwagen überhaupt da ist.“ Solche Probleme hat Yalcin in seinen beiden anderen Restaurants an der Alten Holstenstraße und im Schanzenviertel nicht. „Das Bahnhofsumfeld bringt uns schwierige Gäste.“ Der Imbiss-Chef gibt zu, dass seine jungen Mitarbeiter möglicherweise manchmal mit konfrontativen Situationen überfordert seien. „Ein 19-Jähriger hat noch nicht so viel Lebenserfahrung, aber einen 50 Jahre alten Mitarbeiter kann ich auch nicht bis morgens um fünf an den Spieß stellen.“ In einem ist sich Mehmet Yalcin aber sicher: „Meine Angestellten sind nicht schuld am Tod des Mannes.“
Die Bergedorfer sind gespalten. „Mörder! Euch sollte man selber am Spieß grillen“, beschimpft eine aufgebrachte Frau im Vorbeigehen die Imbiss-Mitarbeiter. Ein Stammgast hat dem Team dagegen einen Durchhalte-Brief geschrieben „Ich bleibe Euch treu, bei Euch ist es nett und lecker!“ Doch seit Sonntag kommen deutlich weniger Gäste, und rüde Schimpftiraden seien kein Einzelfall, schildert Yalcin. „Unser Ruf steht auf dem Spiel.“ Daher hat der Chef auch eine Mitarbeiterversammlung einberufen und klar angeordnet: „Niemand fasst mehr einen Gast an. Ruft in jedem Fall die Polizei.“
70 Kommentare
Redaktion meint:
@Rolf Kopfschmerz: Grundsätzlich haben wir uns für einen offenen und redaktionell unbearbeiteten (und damit unzensierten) Diskurs zu unseren Artikeln entschieden. Dass dabei einige Kommentare qualifizierter sind, als andere ist der Preis dafür. Wir als Redaktion verantworten den Artikel, jeder Kommentarschreiber ist für seinen eigenen Kommentar verantwortlich.

In den Fällen, in denen Kommentare derart ausarten, dass Sie ausschließlich beleidigend oder aber juristisch nicht tragbar sind, greifen wir in Einzelfällen ein. Dies aber sollen Einzelfälle bleiben.

Die Kommentarfunktion im Artikel zum blutigen Familienstreit in Neuallermöhe haben wir komplett deaktiviert, weil die ersten zehn Kommentare ausschließlich unter die Kategorie "juristisch nicht tragbar" fielen. Zudem gibt es bei dem Thema wenig Diskussionspunkte für einen, über den Einzelfall hinaus gehenden, gesellschaftlichen Diskurs. Dies sehen wir hier anders.
muckk meint:
Morgen gehe ich zur pamukkale und esse mein döner wie gehabt mit koktely souce (schmekt sehr gutt) ;)
Hanseretter meint:
Der Tote aus den Dünen hatte doch auch selber Schuld, was begibt er sich in solche Kreise und betätigt sich in illegalen Geschäften.
Müssen da seine Mörder dann noch gesucht werden?

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