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Mahnmal macht Promenade zum Kunst-Abstellplatz - Der Entwurf ist umstritten

Bergedorf. Ende April soll es enthüllt werden: Das Mahnmal zum Gedenken an die Zwangsarbeiter der Nazizeit in Bergedorf. Doch der Entwurf des Bildhauers Jan de Weryha spaltet den Kulturausschuss. Vielen ist das Mahnmal in dieser Form zu abstrakt.
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Fotomontage des Mahnmals auf der Promenade am CCB-Fachmarktzentrum: Der 2,40 Meter hohe Betonklotz mit Sichtschlitz soll an Tausende Zwangsarbeiter erinnern, die bis 1945 in Bergedorfs Fabriken tätig waren.
Foto: de Weryha
Fotomontage des Mahnmals auf der Promenade am CCB-Fachmarktzentrum: Der 2,40 Meter hohe Betonklotz mit Sichtschlitz soll an Tausende Zwangsarbeiter erinnern, die bis 1945 in Bergedorfs Fabriken tätig waren.
Das Gedenken an die Zwangsarbeiter in Bergedorf muss grau sein, bedrückend und schwer wie Beton. Das meint jedenfalls Bildhauer Jan de Weryha, den der Bezirk mit dem Mahnmal beauftragt hat. Und so kommt im Frühjahr ein 2,40 Meter großer Klotz aus Beton mitten auf die Promenade am Schleusengraben beim CCB-Fachmarktzentrum.
17.000 Euro lässt sich das Rathaus das Werk kosten, dessen Markenzeichen ein schmaler Blickschlitz in 1,40 Metern Höhe sein wird – nach Überzeugung de Weryhas Sinnbild für Zwang, Einsamkeit, Enge und Angst, wie sie die Zwangsarbeiter gefühlt haben müssen. Ob ihm jeder Betrachter diesen Wert beimessen wird, entzweite den Kulturausschuss jetzt schon bei der Präsentation durch den Künstler. "Ich fürchte, mancher wird mich fragen, was wir denn da wieder hingestellt haben", glaubt Jürgen Schramm (SPD). Auch Ute Becker-Ewe (GAL) hätte sich "doch lieber etwas Gegenständlicheres gewünscht".
Tatsächlich ist der Bildhauer weit vom Entwurf abgewichen, den die Jury im vergangenen Jahr aus den Einsendungen Bergedorfer Oberstufenschüler ausgewählt hatte: Damals gewann Ella Nora Sloman, Abiturientin der Stadtteilschule Bergedorf, mit der Idee einer überdimensionalen Schraubzwinge und darin eingeklemmtem menschlichen Körper. "Für den Preis nicht umsetzbar", war de Weryhas Urteil. So wurde daraus nach fünf Treffen mit der Abiturientin der Betonklotz.
Fans dieses Mahnmals, wie dem SPD-Abgeordneten Christoph Mallok ("überzeugt mich") und CDU-Kollege Thomas Helm ("das strahlt Würde aus"), standen im Ausschuss Kritiker wie Huug van’t Hoff gegenüber: "Bei einer solchen Veränderung der Grundidee hätte ich meinen Vorschlag zurückgezogen", sagte der Vertreter der GAL. Prompte Reaktion des Künstlers: "Solche Sichtweisen sind ein typisches Problem von Kunst-Anfängern. Denn ich habe gemeinsam mit der Schülerin die Metapher des Zwangs in ein realisierbares Kunstwerk übertragen."
Ob für diese Form des Gedenkens ausgerechnet die Promenade neben Kaufland der richtige Ort ist, ließen die Politiker offen. Denn bei genauem Hinsehen wirkt das Mahnmal zwischen Trinker-Szene, verschlossener Rückseite des CCB-Fachmarktzentrums und weitgehend fehlendem Grün mindestens deplatziert. Als Ergänzung der bunten "Klee Monolithen" scheint das Areal zu Bergedorfs Kunst-Abstellplatz zu werden.
Eine Problematik, der sich die zumindest die Arbeitsgemeinschaft "Woche des Gedenkens" bewusst ist, auf deren Initiative die Planung des Mahnmals angeschoben wurde. "Die Enthüllung Ende April ist erst der Anfang", verspricht Mitglied Liesing Lühr. "Anschließend muss natürlich das Umfeld weiterentwickelt werden."
84 Kommentare
Klassisches Eigentor meint:
@ R. Albrecht
Bei allem Respekt:
Wo ist der Mensch, der aufgrund des Betonfeldes in Berlin seine Meinung über das III. Reich geändert hätte?

Geht es um angemessenes Gedenken oder um die Kunst?
Inklusion meint:
Das Internet ist eben keine Matinee mit geladenen Gästen, Sekt und Häppchen, niveauvollen Bonmots und tiefschürfenden Diskussionen. Aber es ist demonkratisch und bietet niedrigschwellig Partizipationsmöglichkeit.
Hier lobe ich die BZ, weil sie qualitativ sehr unterschiedliche Beiträge eben nicht zensiert.
Immerhin können alle Schreiber wenigstens lesen und sie werden, je nach Vermögen, aktiv.
Der Skandal beginnt, wenn diffuse Ablehnung des Gedenkens als Kritik am Entwurf, an der Person des Künstlers, formuliert wird und dieser Anteil ist hier
erheblich. Im "Expertenkreis" wäre diese "Volksmeinung" in dieser Menge nicht vertreten.
Ebenso fatal ist aber auch die selbstbeweihräuchernde Ausbreitung des eigenen Kunstverständnisses, mit dem der Entwurf gelobt wird.
Beides wird dem Gedenken der Opfer nicht gerecht.
R.Albrecht meint:
Zur Diskussion über das Mahnmal für Zwangsarbeiter in der Bergedorfer Zeitung
1.Ich bin froh, dass Sie auch mehrere besonnene und positive Kommentare zu diesem beeindruckenden Mahnmal abgedruckt haben. Wie damals in Berlin fördert so eine Diskussion das Nachdenken. Leider haben Sie auch einen im Internet anonym als“ Kindermund“ überschriebenen, diffamierenden und verächtlichen Kommentar abgedruckt.
Der Schreiber dieses Kommentars vergisst, dass er hier einen Menschen verleumdet und beschimpft. Dass er sich selbst hinter einem „Kindermund“ versteckt, könnte auch als Schuldeingeständnis gedeutet werden. Ein Kommentar von dieser Gemeinheit hätte die Bergedorfer Zeitung, wenn sie die eigenen Spielregeln beachten würd, nicht in der Zeitung drucken dürfen.
2.Richtig stellen muss ich folgendes: Herr de Weryha wurde zunächst als künstlerische Kompetenz zur Auswahljury für die Schülerentwürfe eingeladen. Der Entwurf von Ella Nora Sloman wurde dann von der Jury ausgewählt. Herr de Weryha hatte damals Schwierigkeiten für die Umsetzung der grazilen Skizze angemerkt und auch auf möglichen Kosten hingewiesen. Ob er jemals daran beteiligt werden würde, war völlig unklar. Erst im zweiten Schritt wurde er gebeten mit der Abiturientin einen Vorschlag für das konkrete Mahnmal zu erarbeiten. Der gemeinsam erarbeitete Vorschlag wurde als Fotomontage der Jury in einem dritten Schritt erneut vorgestellt.
Die Jury hat sich für diesen Vorschlag entschieden. Weshalb wird jetzt der Künstler dafür beschimpft und verunglimpft? Weil er die empfindlichste und verletzlichste
Stelle ist?
3.Hier wird ein Mensch als Ziel dafür genutzt
- um Wut ungefiltert und demütigend loszuwerden
-über moderne, minimalistische Kunst dumpf herzuziehen, bei der sich nicht gleich durch eine Figur etwas konkretes zeigt, die aber Emotionen auslöst, wenn man es denn zulässt, sie auf sich wirken zu lassen
-um die unbewusste Angst vor der Notwendigkeit, besonders heute über diese Gräueltaten in der Mitte Bergedorfer Betriebe nachzudenken, lautstark und verächtlichmachend abzuwehren.
Vielleicht sollten alle in der Stadt sich auf das Mahnmal einlassen und sich berühren lassen und Verantwortung für ein „Nie wieder“ übernehmen
4. Es ist ja nicht bloß ein Betonklotz, sondern auch der ist gestaltet, was vielleicht auf dem Foto in der Zeitung und beeinflusst durch den negativen Bericht nicht sichtbar oder nicht mehr wahrgenommen wurde. Wie der Schlitz ist auch die Struktur des frischen Holzes auf dem Beton als gestalterische Symbolik dieses beeindruckenden Mahnmals wichtig.
Man kann das so nicht im Baumarkt erwerben.
5.Das Geld. Heute ist es Mode sich über die hohen Ausgaben zu beklagen. Wir sprechen von Arbeit , die einen Wert haben muss. Die Gestaltung und Erarbeitung des Entwurfes hat viel Zeit gekostet und die Umsetzung
wird es noch einmal. Was verdient ein Jounalist für eine Reportage? Was ein Berater für die Beratung von Firmen? Hiervon können Künstler in der Regel nur träumen. Vor einem Künstlerbashing aus Neid und Missgunst, sollten sich die Schreiber über die soziale Lage von Künstlern informieren.
Es steht Bergedorf gut an, ein solches Mahnmal als Symbol für eine schlimme Zeit aufzustellen.
R. Albrecht

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