Wintersplitter
Deutschland erstarrt bei fast 30 Grad Frost
Montag, 6. Februar 2012 20:14
Bergedorf/Geesthacht. Die eisige Kälte sorgt für immer neue Rekordwerte in diesem Winter. In Mecklenburg-Vorpommern fiel das Thermometer in der Nacht zum Montag auf der Insel Usedom auf minus 29,1 Grad, wie der Wetterdienst Meteomedia mitteilte. Die Binnenschifffahrt ist so gut wie lahmgelegt. Es bleibt die ganze Woche kalt.

Foto: Jann
Trotz strahlendem Sonnenschein bleibt es auch tagsüber bitterkalt. Die Elbe ist bis zum Hamburger Hafen für den Schiffsverkehr gesperrt.
Mehr als 90 Hilferufe pro Stunde erreichten Montag die
ADAC-Pannenhilfezentrale an der Kurt-A.-Körber-Chaussee in Bergedorf.
Zwischen 6 und 15 Uhr nahmen 835 Autofahrer die Unterstützung von einem der
51 „gelben Engel“ in Anspruch. Wartezeit durchschnittlich 93 Minuten. „Zu 80
Prozent werden wir wegen schlapper Batterien gerufen“, sagt Teamleiter Jörg
Weidlich, der auch viele eingefrorene Kühler und defekte Lichtmaschinen
registrierte. Vielerorts blieben auch Dieselfahrzeuge liegen: „Ab minus 20
Grad macht der Diesel Probleme, denn das Paraffin flockt aus. Dann muss der
verstopfte Filter in einer Werkstatt ausgewechselt werden“, heißt es beim
ADAC.
***
Das Alstereis ist an den dicksten Stellen inzwischen 15 bis 18 Zentimeter
stark. Es kann auf eigene Gefahr betreten werden, gab die Umweltbehörde
Montag bekannt. Zuletzt war die Außenalster im Winter 2010 zugefroren.
Andere Städte sind zögerlich: „Geesthacht gibt die Teiche in Grünhof, an der
Hansastraße und im Stadtpark generell nicht frei, weil die Eisschichtdecken
der Gewässer nicht, wie in Hamburg, regelmäßig gemessen werden“, sagt Jürgen
Pflantz aus dem Umweltamt. Generell gilt: Vorsicht bei fließenden Gewässern,
unter Brücken und bei Zuläufen.
***
In vielen Geschäften bestimmen schon kurzärmlige Hemden und knappe Oberteile
die Auslagen. Wintersachen gibt es aber noch: „Wir haben extra einen großen
Vorrat an Mützen, Handschuhen und Schneeanzügen nachgepackt“, sagt Anka
Fabian, Leiterin des Kaufhauses Nessler in Geesthacht. „Ganz besondere
Nachfrage gibt es nach warmen Winterjacken.“
***
Probleme bereiten die Minusgrade der Feuerwehr: „Uns kann das Wasser in den
Schläuchen gefrieren“, sagt Thomas Marbes, Zugführer der Feuerwehr
Geesthacht. Weiterer Gefahrpunkt: Das Glatteis, das durch Löschwasser auf
Straßen und Wegen besteht. Marbes: „Wir haben immer etwas Streusalz dabei,
um uns helfen zu können, damit es während des Einsatzes zu keinen Stürzen
kommt.“
***
Mit Bagger und Presslufthammer geht es derzeit auf dem Bergedorfer Friedhof
zu: Obwohl der Boden 14 Zentimeter tief gefroren ist, schaffen es die
Arbeiter, alle Toten unter die Erde zu kriegen. „Die Reihengräber können wir
ja vorher mit Laub abdecken, dann friert es nicht so extrem durch“, sagt
Wolfgang Charles vom Management des öffentlichen Raums.
***
Der Preis für Heizöl schießt in die Höhe. Pro 100 Liter bei einer Abnahme von
3000 Litern Standardöl müssen 89,15 Euro berappt werden, verkündet das
Portal www.heizoel24.de. Das sind knapp drei Euro mehr als am Donnerstag.
Neben dem schwächelnden Euro, dem Atomstreit mit dem Iran und den
Griechenlandproblemen, die sich auf den Preis auswirken, beeinträchtigen die
tiefen Temperaturen die Auslieferung des Heizöls, das beginnt bei nicht
anspringenden Tankwagen und endet bei der schlechten Fließfähigkeit des Öls.
***
Glück haben die acht wohnungslosen Männer, die einen Platz in den vier
Containern auf dem Gelände der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in
Lohbrügge ergattert haben. Die Unterkünfte sind im Rahmen des
Winternothilfeprogramms der Stadt aufgestellt. Die Männer können sich dort
auch tagsüber aufhalten.
***
Bei diesen Minustemperaturen braucht auch die Gesichtshaut besonderen Schutz.
Dermatologin Dr. Birgit Gewiß aus Reinbek empfiehlt bei normaler und
trockener Haut reichhaltige Cremes. In keinem Fall sollte bei Frost Creme
mit Harnstoff (Urea) verwendet werden. Dieser kann gefrieren und damit zu
kleinen Erfrierungen in der Haut führen. Wer eher fettige Haut hat, sollte
bei Feuchtigkeitsfluids ohne Paraffin-Zusatz bleiben.
***
Die heimischen Wildtiere werden mit der Kälte gut fertig, sagt Wolfgang
Kruckow von der Revierförsterei Grünhof. Gefüttert werden müssten sie
derzeit nicht. Störche oder Kraniche, die dieses Jahr nicht in den Süden
geflogen sind, hätten allerdings Probleme.
***
Anders als im vergangenen Winter scheint die Bahn die Probleme mit dem
Winterwetter weitgehend im Griff zu haben. „Es gibt keine größeren
überregionalen Störungen“, sagte ein Sprecher am Montag, lediglich
vereinzelte Verspätungen oder Zugausfälle durch Weichenstörungen. Die Bahn
hatte 2011 mehr als 70 Millionen Euro zusätzlich investiert, um für den
Winter vorbereitet zu sein.bz

Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
Gastro-Tipps
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche













