Schloss und Rieck-Haus
Neues Museumskonzept: "Feuer frei für gute Ideen"
Sonntag, 5. Februar 2012 10:45
- Von André Herbst
Bergedorf. Die Vorzeichen sind kurios: Am Mittwoch will Bezirksamtsleiter Arne Dornquast seine Überlegungen zur Übernahme von Bergedorf-Museum und Rieck-Haus in bezirkliche Zuständigkeit präsentierten - doch die Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) ist vorgeprescht.

Foto: von Essen
Ein Bild mit Symbolcharakter: Wer diesem verdrehten Wegweiser am Serrahnwehr folgt, landet bestenfalls auf Umwegen im Museum.
Die Stiftung hat Bergedorfs bisherigen Museumsleiter vier Tag die Woche mit
anderen Aufgaben betraut. Neueste Entwicklung: Die Kulturbehörde soll die
Stelle dem Vernehmen nach dagegen als Vollzeitaufgabe werten.
Noch vergangenes Jahr hatte die damalige Stiftungschefin gar zusätzlichen
Personalbedarf für Bergedorf konstatiert. Aktuell heißt es in der Stiftung
nun, das Personal der Hamburger Museen sei knapp. Skeptiker fürchten, dass
mit Bergedorfs Teilzeit-Museumsleiter Dr. Olaf Matthes auch seine Stelle
nach Hamburg entschwinden soll.
Soweit darf es aus Sicht von Bergedorfer Politik und Verwaltung nicht kommen. "Wir
brauchen für die Leitung eine Vollzeitstelle, das ist nicht verhandelbar",
sagt Bezirksamtsleiter Dornquast. "Wir gehen für unsere Überlegungen
davon aus, dass es bei der bisherigen Personalstärke bleibt, aus dem
Bezirksamt könnte eine zusätzliche Stelle hinzukommen."
Offenes Geheimnis: Ein solcher Mitarbeiter könnte sich um Organisation und
Marketing kümmern.
Ziel ist eine "Bergedorfer Museumslandschaft", die zu Beginn aus
Schloss und Rieck-Haus besteht. Erweiterungsmöglichkeiten sollen später
geprüft werden. Dornquast: "Mit unseren Mühlen, dem Maler- und
Lackierer-Museum und der Sternwarte hat Bergedorf Potenzial."
Was der Bezirk Mittwoch vorlege, sei kein abgeschlossenes Konzept, sondern ein
Papier, um Eckpunkte zu definieren. "Wir legen eine abgewogene
Diskussionsgrundlage vor. Dann heißt es Feuer frei für jeden, der gute Ideen
beizutragen hat."
Bergedorfs CDU mahnt, zuerst die Rahmenbedingungen zu klären. "Eine
leere Hülle ist nicht lebensfähig", sagt der
Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Gladiator. "Das Bezirksamt muss
sagen, wie viel Geld und Personal nötig sind, um das Museum vernünftig
betreiben zu können."
Inwieweit sich der Vorstand der Bergedorfer Museumsfreunde in die anstehenden
Diskussionen einbringt, ist schwer einzuschätzen. Einen Termin für ein
angekündigtes Podium zur Zukunft des Museums gibt es nach Auskunft von
Vereinsmitgliedern bislang ebenso wenig wie den für die Hauptversammlung. "Unabhängig
davon, wie man zur Personalie Dr. Matthes steht - der Vorstand muss sich den
Mitgliedern stellen", mahnt SPD-Kulturpolitikerin und Vereinsmitglied
Peri Arndt. "Er darf die Hauptversammlung nicht vom Februar bis Sommer
oder Herbst aufschieben."
Lange Zeit hatten Matthes-Freunde seine Bedeutung für das Museum betont. Seit
bekannt ist, dass der Historiker künftig schwerpunktmäßig in Hamburg
arbeitet, ist es ruhig geworden. "Derzeit forscht er, wie seine
Versetzung an die Öffentlichkeit gelangen konnte", spötteln
andere.
Für die Sondersitzung des Kulturausschusses (17.30 Uhr) rechnen die
Verantwortlichen mit großem Interesse: Die Türen zwischen kleinem
Rathaus-Saal und Spiegelsaal könnten sich öffnen, damit alle Gäste Platz
finden.
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