Vorrang für TSG
Bezirk kickt Fußballer aus dem Stadion
Freitag, 3. Februar 2012 18:30
- Von Thomas Schütt
Bergedorf. Mehr als 20 Jahre spielten die Freizeitkicker von „Unser Haus e.V.“ im Billtalstadion. Das ist jetzt vorbei. Das Bezirksamt entzog ihnen die Nutzungserlaubnis - auf einer Sitzung, zu der sie nicht eingeladen waren.

Foto: Schütt
Sebastian Brüning (29), Tobias Opitz (30) und Olaf Römmele (44) in ihrem Ex-Stadion.
Wenn die Sprache auf das Bergedorfer Bezirksamt kommt, verfinstert sich das Gesicht von Olaf Römmele. „Die haben uns eiskalt geschasst.“ Mehr als 20 Jahre spielten Römmele und seine Freunde von „Unser Haus e.V.“ Fußball im Billtalstadion. Das ist jetzt vorerst vorbei. Das Bezirksamt entzog „Unser Haus e.V.“ die Nutzungserlaubnis. Auf einer Sitzung, zu der alle Nutzer der Sportanlage geladen waren. Alle, bis auf „Unser Haus e.V.“.
„Wir haben das empfunden wie einen Schlag ins Gesicht“, sagt Römmele. Wir, das ist ein harter Kern von etwa 20 Freizeitkickern, die sich immer montags zum Fußball trafen. „Der Montagabend war eine Institution. Manchmal waren wir über 40 Leute.“ Und das Fußballspiel habe auch höheren Zwecken gedient. „Bei uns kickte der Bankangestellte mit dem Arbeitslosen, der Muslim mit dem Christen, der Deutsche mit dem Türken.“ Die Stadt habe hier einen wichtigen Sozialraum ohne Not zerstört. „Wir sind mächtig sauer und enttäuscht“, so Römmele.
Die Freizeitsportler hätten sich immer sportlich fair betragen. „Als das Bezirksamt nachfragte, ob wir uns den Platz mit der Freien evangelischen Gemeinde teilen würden, war das für uns eine Selbstverständlichkeit und nun so etwas.“ Zwar hätten sich sowohl Fred Osterhage, im Bezirksamt zuständig für Sportangelegenheiten, als auch Bezirksamtsleiter Arne Dornquast für die Nichteinladung entschuldigt. „Das nützt uns aber auch nichts.“ Als Unverschämtheit empfindet Römmele den Vorschlag des Bezirksamtes, den Sportplatz am Ladenbeker Weg zu nutzen. „Beim Anblick der sanitären Anlagen dort kann einem schlecht werden.“
Sven Dahlgaard, Leiter des Fachamtes für Sozialraummanagement und Vorgesetzter von Fred Osterhage, sieht das Ganze hingegen entspannt „Mannschaftsspiel von Sportvereinen geht vor Freizeitsport. Die TSG braucht das Stadion, und das geht vor.“ Zwar sei es bedauerlich, dass vergessen worden sei „Unser Haus e.V.“ zu der Sitzung einzuladen. „Die Entscheidung wäre jedoch in jedem Fall dieselbe gewesen.“ Zudem seien die sanitären Anlagen am Ladenbeker Weg längst saniert. Offenbar hat Dahlgaard jedoch vergessen, das den Fußballern mitzuteilen. „Mit uns hat niemand gesprochen“, zeigt sich Römmele erstaunt.
Mit unser „Haus e.V“ verliert der letzte Nicht-Sportverein seine Zeiten im für 1,2 Millionen Euro Steuermittel sanierten Billtalstadion. Eine Eingabe an das Bezirksamt auf Rückerteilung der Nutzungserlaubnis ist Thema in der Sitzung des Fachausschusses für Sport, Kultur und Schule. Beginn des öffentlichen Teils im Kinderkulturhaus am Lohbrügger Markt ist am Montag um 17 Uhr.

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