Tote Chantal
Schon in Bergedorf war Pia Wolters in der Kritik
Mittwoch, 1. Februar 2012 18:13
- Von Anne K. Strickstrock
Bergedorf. Die vom Dienst suspendierte Jugendamtsleiterin des Bezirks Mitte, Pia Wolters (58), steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Sie war in Bergedorf verantwortlich, als der „Fall Michelle“ Schlagzeilen machte: Am 1. Juli 2004 starb das zweijährige Mädchen in einer verwahrlosten Wohnung in Bergedorf.
Pia Wolters (58), die vom Dienst suspendierte Jugendamts-Leiterin in Hamburg-Mitte, steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Als Bergedorfer Sozial- und Jugenddezernentin war sie verantwortlich, als der „Fall Michelle“ Schlagzeilen machte: Das zweijährige Mädchen starb am 1. Juli 2004 in einer verwahrlosten 70-Quadratmeter-Wohnung an der Lohbrügger Landstraße 60.
Wie bei Chantal, die mit elf Jahren in einer Wilhelmsburger Pflegefamilie an einer Methadon-Vergiftung starb, sollte sich ein freier Träger um die Lohbrügger Familie kümmern. Die Mitarbeiterin vom Internationalen Bund hatte die Dramatik nicht gesehen, Fliegen, Müll und Essensreste nicht wahrgenommen, die Zimmer der insgesamt sechs Kinder nicht kontrolliert. Sie bekam eine Geldstrafe, während die Eltern drei Jahre ins Gefängnis wanderten.
Pia Wolters blieb auf ihrem Posten, zumal das Ermittlungsverfahren kein Fehlverhalten ihres Amtes feststellte. Dennoch sagte damals Bezirksamtsleiter Dr. Christoph Krupp: „In der Summe hat unser Hilfesystem versagt, im Spannungsfeld zwischen Vertrauen und Kontrolle.“
Nicht nur im Schloss Bellevue wird diskutiert, wer politische Verantwortung übernehmen muss: Bergedorfs Bürgerschaftsabgeordneter Dennis Gladiator (CDU) fordert den Rücktritt von Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD), der Pia Wolters angeblich schon nach dem Hungertod Lara-Mias vor zwei Jahren loswerden wollte. In Bergedorf „regelte“ dies die Verwaltungsreform: „Dadurch hatten wir eine Person zu viel an Bord, musste Pia Wolters gehen“, erinnert sich Verwaltungschef Klaus Wolters. Leiterin des neuen Dezernats für Soziales, Jugend und Gesundheit wurde Angela Braasch-Eggert, die noch heute in ihrer Freizeit mit Pia Wolters rudert – und 2005 die „Akte Michelle“ übernahm.
Seither seien die Kontrollen besser, meint sie und betont, dass Bergedorf besonders viele Pflegekinder habe: Von 146 Kindern werden etwa 50 bei Verwandten – oft Oma und Opa – großgezogen. Die anderen leben bei Pflegeeltern, die ein Führungszeugnis vorlegen mussten – „und sie unterschrieben uns, dass sie keine ansteckenden Krankheiten haben“, sagt Braasch-Eggert. Unangemeldete Besuche bei 53 Pflegekindern übernehme alle sechs Monate ein Amtsmitarbeiter, 93 andere Familien betreue der LEB (Landesbetrieb für Erziehung und Berufsbildung), der 2,5 Personalstellen vorhält.



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KDreilich meint:
Beim Jugendamt als Mitarbeiter bewerben? Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?
O-Ton eines Freundes, der bei einem Jugendamt tätig war:"Wir sind hier ausgebildete oder angelernte Fachidioten. Gucken wir über den Tellerrand hinaus und machen einen Verbesserungsvorschlag oder weisen auf einen Mißstand hin, werden wir gleich wieder in unsere Schranken verwiesen. Also mache ich nur noch meine Arbeit."
Und da soll man versuchen, etwas zu verändern?
Undlaublich aber wahr meint:
Klar, der Dr. Krupp wusste, warum er Frau Wolters weglobt ...
Thomas Felde meint: