Gedenken
Stolpersteine: Bergedorfs unrühmliche Vergangenheit
Montag, 30. Januar 2012 13:07
Bergedorf. Zwölf "Stolpersteine" erinnern in Bergedorf an verschleppte, verschwundene oder ermordete Opfer des Nationalsozialismus. Der neueste Band der Landeszentrale für politische Bildung, der jetzt erschienen ist, befasst sich mit diesem dunklen Kapitel der Bergedorfer Geschichte.

Foto: dpa
„Stolpersteine“ gibt es heute in fast jeder deutschen Stadt. Mit den Gedenktäfelchen, die in goldener Farbe wie ein Pflasterstein in Bürgersteige eingelassen werden, weist der Künstler Gunter Demnig auf die letzten Wohnorte ermordeter Menschen hin. (Archivbild)
Eigentlich hätte Bergedorf der erste Hamburger Bezirk sein müssen, dessen „Stolpersteine“ als Buch aufgearbeitet werden. Denn nirgendwo anders in der Hansestadt, ja in ganz Deutschland, hat das Verlegen der zehn mal zehn Zentimeter kleinen Erinnerungen an die Verschleppten und Ermordeten der Nazi-Tötungsmaschinerie ein solches Presse-Echo erzeugt: CDU und Schill-Partei hatten es sich heute auf den Tag genau vor neun Jahren nicht nehmen lassen, mit ihrer Mehrheit in der Bezirksversammlung die populäre Erinnerung durch den Künstler Gunter Demnig (vorübergehend) zu verhindern.
Doch es sind eben Historiker, die jetzt den 13. und damit letzten Teil der Reihe über Hamburgs knapp 4000 „Stolpersteine“ geschrieben haben. Und die zählten nach, wie viel in Messing geschlagene Erinnerung in Bergedorf zu finden ist. Ergebnis: Nur zwölf Steine erinnern hier vor Gebäuden an die Menschen, die „verschwanden“. Darunter Kommunist Ernst Henning (Hassestraße 11), die jüdische Familie Rosendorff (Ernst-Mantius-Straße 5) und Richter Dr. Walter Rudolphi (Pfingstberg 6).
Einen Rückblick auf die unrühmliche Kumpanei von CDU und Schill-Partei vom Januar 2003 findet sich im 332 Seiten starken Werk nicht. Trotzdem sind neben 17 anderen, bisher auch noch nicht aufgearbeiteten Stadteilen stattliche 50 Seiten Bergedorf und seinen Nazi-Opfern gewidmet – samt Überblickskarte der „Stolpersteine“. Das Buch ist bei der Landeszentrale für politische Bildung und im Kultur- & Geschichtskontor, Reetwerder 17 (Tel. (040) 721 28 23, zu bekommen.upb

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maxernst meint:
Frank Denker meint:
Im übrigen fehlt in Ihrer Auflistung mindestens der Stein im Heckkatenweg 2 für Blanca und Erika Mansfeldt
Momentus meint:
Carl Hans Rudolf Boldt war Häftling sowohl im damaligen KZ Fuhlsbüttel als auch aufgrund einer Denunziation im KZ Neuengamme. Herr Boldt überlebte das Konzentrationslager, kam tragischer Weise, kurz vor der deutschen Kapitulation, am 3. Mai 1945 mit vielen KZ-Häftlingen auf dem Schiff "Cap Arkona" durch brititischen Bombenangriff ums Leben.