Energie-Campus

Großstadt der Zukunft im Kleinformat

Foto: Thomas Voigt

Bergedorf. Bergedorfs Energie-Campus geht mit großen Schritten seiner Inbetriebnahme entgegen: Am 3. Februar wird Olaf Scholz das Eldorado der Forscher und Herzstück der Hamburger Initiative „Erneuerbare Energien“ einweihen.

Am Schleusengraben entsteht eine Großstadt im Miniaturformat – zumindest was das Beforschen von Stromversorgung und Stromspeicherung angeht.

Was der Bürgermeister in fünf Wochen durchschreitet, soll einige Monate später der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Ein Tag der offenen Tür ist für Sommer in Planung.

Energiewende „Made in Bergedorf“

Was am Schleusengraben geprobt wird, ist nichts Geringeres als die Machbarkeit der Energiewende in Großstädten: Wie können die starken Schwankungen der Gewinnung regenerativer Energie durch Speicher, flexible Stromnetze und kluge Verbraucher ausgeglichen werden?

„Das hier wird ein großer Spielplatz für Forscher. Ein Haus mit allen Möglichkeiten zum Experimentieren“, schwärmt Bastian Hey (30), Experte für intelligente Stromnetze und einer der gut 20 Wissenschaftler, die in den Neubau einziehen. Alle gehören zur Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), die den Energie-Campus betreibt.

Speicher haben eine Schlüsselfunktion

Wie eine Stadt der Zukunft wird das zweistöckige Gebäude auf drei Arten mit Energie versorgt: Auf dem Dach stehen Sonnenkollektoren, von unten kommt Erdwärme und im Haus steht ein Blockheizkraftwerk, das unter anderem mit Erdgas betrieben wird. Der Ertrag aller drei Quellen kann in sechs multifunktionalen Warmwasserspeichern zwischengelagert werden. Sie sind über Elektrolyse fähig, ihren Inhalt in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten, wobei der Wasserstoff wieder dem Kraftwerk als Energie zugeführt wird.

Bio-Reaktor bindet Biogasanlagen an

Zudem verfügt der Energie-Campus über eine Art „Bio-Reaktor“, der den Wasserstoff mit Kohlendioxid zu Methan verbindet. Dieses typische Produkt der Biogasanlagen kann dann im normalen öffentlichen Erdgas-Netz gespeichert werden. Weitere Energiespeicher mit denen Experimentiert wird, sind Akkus aller Art auch für Elektro-Autos.

Windpark noch im Genehmigungsverfahren

Als mittelfristige Erweiterungen des Energie-Campus sind Batterie-Speicher vorgesehen – und der komplette Windkraft-Bereich, der Bergedorf zum Forschungszentrum Nordeuropas werden lassen soll. „Unser jenseits der Autobahn 25 in Curslack vorgesehener Windpark steckt noch im Genehmigungsverfahren“, sagt Energie-Campus-Sprecherin Wega Wilken.

Mit dem Bau der fünf je 180 Meter hohen Rotoren sei erst zum Jahreswechsel 2015/16 zu rechnen.

Wie diese Vögel registrieren und Fledermäuse vor den Rotoren schützen sollen, lesen Sie in der Printausgabe der Bergedorfer Zeitung/Lauenburgische Landeszeitung vom Montag, 29. Dezember, E-Paper / Abo.