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Betreuungsstelle soll nach Mitte ziehen

Bergedorf. Das Aus für die Betreuungsstelle im Amtsgericht ist so gut wie besiegelt. Die Dienststelle, die die rechtliche Betreuung für ältere oder hilflose Personen klärt, wird wohl schon zum Sommer 2012 geschlossen und in den Bezirk Mitte verlegt. Hintergrund sind personelle Einsparungen bei den Ämtern.
Paul-Riebeck-Stiftung - Betreuung und Pflege
Foto: DPA
Die Fürsorge für hilfloser Personen zu übernehmen wird ohne die Betreuungsstelle noch komplizierter (Archivbild).
Schon vor einem Jahr stand ihre Zukunft auf Messers Schneide – doch nach Protesten aus Bergedorfs Sozialdezernat kehrte zunächst Ruhe ein. Nun aber ist das Aus für Bergedorfs Betreuungsstelle im Amtsgericht (Ernst-Mantius-Straße) so gut wie besiegelt: Bereits zum Sommer 2012 soll die Dienststelle – in der die rechtliche Betreuung für ältere oder kranke Menschen geklärt wird – von Bergedorf in den Bezirk Mitte verlegt werden. Mit den kurzen Wegen zwischen Amtsgericht, Betreuungsstelle und Betreuungsverein ist es dann vorbei. Auch für Angehörige und Betroffene.
„Wir wollen jetzt mit den Vorbereitungen für eine Verlagerung anfangen“, bestätigt Kerstin Godenschwege, Pressesprecherin des Bezirksamtes Altona. Dieser Bezirk ist verantwortlich für alle sechs Hamburger Betreuungsstellen; bis auf Eimsbüttel gibt es in jedem Bezirk eine. Die Altonaer Bezirksversammlung muss deshalb auch über Erhalt oder Verlegung entscheiden.
Noch sei das nicht geschehen, sagt Kerstin Godenschwege. Die Sprecherin zweifelt aber nicht, dass es dieses Votum geben wird. Denn die personelle Situation in den Betreuungsstellen sei brisant: „Wir haben einen Mehrbedarf von 13 Stellen angegeben“, sagt sie – doch nicht eine zusätzliche Kraft sei eingestellt worden. Personelle Gründe seien also für die Zusammenlegung ausschlaggebend. Und die Sicherheitsfrage: Da in Bergedorf nur zwei Kollegen arbeiten, es in dem Bereich aber „massive Übergriffe“ gebe, biete ein größeres Büro einfach mehr Sicherheit.
Doch warum Bergedorf – während die anderen Bezirke unbehelligt bleiben? Kerstin Godenschwege verweist lediglich darauf, dass Bergedorf und Harburg bereits jetzt eine gemeinsame Leiterin in Mitte haben. Zudem sei nicht ausgeschlossen, dass weitere Zusammenlegungen folgen.
Bergedorfs Politiker, die zunächst nur gerüchtehalber von dem Plan hörten, sind empört: „Warum gerade Bergedorf? Und wo soll der Vorteil liegen?“ hakte Susanne Seibert (SPD) in der jüngsten Bezirksversammlung nach – und rannte bei Angela Braasch-Eggert offene Türen ein. Bergedorfs Sozialdezernentin sieht ebenfalls „nur Nachteile“ durch eine Zusammenlegung. Auch die anderen Fraktionen wollen die Betreuungsstelle erhalten; der Hauptausschuss soll deshalb eine entsprechende Stellungnahme verfassen.
Derzeit ist die Betreuungsstelle schon durch die räumliche Nähe zum Gericht sehr gut vernetzt. Denn wenn ein Mensch betreut werden soll, wenden sich Angehörige oder soziale Dienste zunächst an das Gericht. Dieses wiederum lässt die Betreuungsstelle recherchieren, welchen Handlungsbedarf es gibt. Die Mitarbeiter machen auch Vorschläge, welche Betreuung – gesetzlich oder ehrenamtlich etwa durch den Betreuungsverein – in Frage kommt. Und sie schlagen auch konkret vor, wer die Arbeit übernehmen könnte.
Betreuer wie Stefan Tiedchen kritisieren deshalb die geplante Verlegung nach Mitte. „Ich bekomme zum Beispiel oft Fälle, bei denen verwalterische Kenntnisse gefragt sind“, sagt der 77-jährige Rechtsanwalt. Andere werden eher mit Fällen betraut, bei denen medizinische Details im Vordergrund stehen. Künftig sei das so wohl nicht mehr möglich: „Ich vermute, dass dann von Mitte aus nach Nummern oder Buchstaben entschieden wird.“
Uwe Skambraks vom Betreuungsverein sieht weitere Nachteile. „Wenn ein Mitarbeiter einen Fall hier in Bergedorf recherchieren muss, wird viel wertvolle Arbeitszeit allein durch die Fahrtwege verschwendet. Und dann macht die entsprechende Person vielleicht noch nicht mal die Tür auf.“
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