Bergedorfs Schloss bald nur noch Postkartenmotiv?
Freitag, 20. Januar 2012 21:09
- Von Ulf-Peter Busse
Bergedorf. Kaum wird am Konzept für die Übernahme des Bergedorf-Museums gearbeitet, schafft die noch für das Schloss zuständige Stiftung Historische Museen Tatsachen. Museumsleiter Dr. Olaf Matthes ist mit neuen Aufgaben in Hamburg betraut worden.

Foto: bergedorf-fotos.de
Das Schloss beherbergt seit 1955 das Museum für Bergedorf und die Vierlande.
Im Tauziehen um die Zukunft des Bergedorf-Museums im Schloss droht dessen
Chefposten abhandenzukommen. „Herr Matthes ist ab 1. Januar 2012 nur noch
einen Tag in Bergedorf, um die dortigen Angelegenheiten zu erledigen und die
Betreuung des Schlosses zu gewährleisten“, heißt es im Protokoll der
jüngsten Museumskonferenz, das unserer Zeitung vorliegt.
Das Gremium des Museums für Hamburgische Geschichte dient der internen
Mitarbeiter-Information und bezieht auch das Team des Museums für Bergedorf
und die Vierlande mit ein, das dort als Abteilung geführt wird. Seit Monaten
schon war hier bekannt, dass Dr. Olaf Mathes die Hälfte seiner Dienstzeit
nicht im Schloss, sondern im Haupthaus am Holstenwall arbeitet. Allerdings
„für Bergedorf“, wie es hieß.

Foto: Christina Rückert
Dr. Olaf Matthes ist seit 2001 Museumsleiter.
Für Helmut Sander, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Historische Museen
Hamburg, ist das kein ungewöhnlicher Vorgang: „Herr Dr. Matthes bleibt
Leiter der Abteilung Bergedorf-Museum“, sagte sein Sprecher Jan Haack
gestern. Zu den Dienstzeiten, die ihm dafür jetzt noch zur Verfügung stehen,
mache die Stiftung aber keine Angaben. „Jedenfalls schlagen wir hier keine
Pflöcke ein, um auf die Herauslösung einzelner Häuser aus dem
Stiftungsverbund Einfluss zu nehmen“, ergänzte Haack.
Genau das aber wird im Bergedorfer Bezirksamt befürchtet. Dort arbeitet ein
kleines Team um Leiter Arne Dornquast seit einigen Wochen daran, ein Konzept
zur Herauslösung des Bergedorf-Museums aus dem Museum für Hamburgische
Geschichte und dem gesamten Stiftungs-Verbund zu erstellen. Grundlage ist
der Bürgerschaftsbeschluss vom November, Ziel die Überführung in die
Zuständigkeit des Bezirksamts zum Jahreswechsel 2012/13.
Doch was wird dann übertragen? Bleiben neben Hausmeister und Technischem
Leiter auch die Stellen des Leiters, seiner Assistentin und der Dokumentarin
im Schloss erhalten? Bezirksamts-Sprecher Dr. Andreas Aholt zeigte sich
gestern überrascht von den Entscheidungen hinter den Kulissen: „Uns wurde
nichts davon mitgeteilt. Obwohl es bereits mehrfach Gelegenheit dazu gegeben
hätte.“
Auch Arne Dornquast ist erstaunt: „Die Information, dass Herr Dr. Matthes den
Schwerpunkt seiner Arbeit verlagert, kommt überraschend. Das Bezirksamt
erwartet, dass dies weder einen Einfluss auf die Qualität der
Vorbereitungsarbeiten bezüglich der anstehenden Ausstellung zur 850-jährigen
Geschichte Bergedorfs haben wird, noch die Planung der avisierten
Folgeausstellung zu Hermann Distel beeinflusst.“
Und Dornquast macht auch klare Ansagen, wie er sich die Zusammenarbeit für das
Zukunftskonzept des Museums in den kommenden Wochen vorstellt: „Wir sind
guten Mutes, dass die Stiftung mit dem Bezirksamt in einen konstruktiven
Austausch eintritt. Wir führen hierzu bereits Gespräche mit der
Stiftungsleitung. Dort wird dann auch über die Aufgabenwahrnehmung von Herrn
Dr. Matthes zu sprechen sein.“

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