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Heimische Wirtschaft trotzt Gerede von der Krise

Bergedorf/Geesthacht. Produktion, Handel und Handwerk im Umkreis widersprechen überwiegend den düsteren Prognosen, die von manchen Wirtschaftsforschern derzeit kommen.
Hauni_Azubi
Foto: Hauni
Ein Auszubildender bei der Hauni arbeitet an einer Maschine. Industrie und Handwerk spüren im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung bisher keinen „Abwärtssog“. Die Auftragsbücher sind voll.
Düstere Konjunkturprognosen beherrschen seit letzter Woche die Nachrichten der Finanz- und Wirtschaftsbranche. Die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin haben ihre Erwartungen für dieses und nächstes Jahr deutlich gesenkt. Sie rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft 2012 statt um 1,8 Prozent nur noch um ein Prozent wächst. Für 2011 reduzierte das Institut seine Vorhersage von 3,2 auf 2,8 Prozent. Forscher der Düsseldorfer Hans-Böckler-Stiftung sprechen gar von einem „Abwärtssog“, in den die deutsche Wirtschaft geraten sei, und prognostizieren dem Bruttoinlandsprodukt für 2012 nur noch 0,7 Steigerung.
Unternehmen im Raum Bergedorf und Geesthacht sind deutlich optimistischer, ergab eine Umfrage unserer Zeitung. Von einer „sensationellen Auftragslage für dieses und auch schon für nächstes Jahr“ spricht Bettina Lichtenberg vom Körber-Konzern für die „Schleifring“-Gruppe des Unternehmens, der auch die Bergedorfer Firma Blohm mit ihrer Werkzeug- und Maschinenproduktion angehört. „Der Unternehmenszweig hat sich super entwickelt, wir rechnen für dieses Jahr mit Umsatzzuwachs im deutlich zweistelligen Bereich.“
Fürs Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Handwerk spricht Bezirksmeister Bernd Hegemann von einer sehr guten Auslastung der Betriebe besonders in der zweiten Jahreshälfte: „2011 wird deutlich besser als 2010, das ist auch in anderen Hamburger Bezirken der Fall. Wir suchen dringend Fachkräfte.“ Die werden auch bei Fahrrad Marcks in Bergedorf gebraucht. Geschäftsführerin Tina Hansmann: „Unsere Werkstatt wird mit Aufträgen überrannt, und auch mit dem Verkauf sind wir sehr zufrieden. Es ist richtig Kauflust spürbar.“
Krise? „Davon merken wir nichts. Wir sind bisher zufrieden mit diesem Jahr und gut ausgelastet“, sagt Gunnar Bakowski, Geschäftsführer der Walter Förster Metallwarenfabrikation GmbH in Geesthacht. Das Unternehmen ist Zulieferer für Medizin-, Mess- und Regeltechnik, beschäftigt aktuell etwa 75 Mitarbeiter und investiert aufgrund der guten Lage sogar in neue Maschinen. „Im November bekommen wir eine neue Drückbank und im Februar eine neue Reinigungsanlage“, sagt Bakowski.
Auch Christian Eger von der Nanoresins AG in Geesthacht ist zufrieden. „Nach der Krise ging es im vergangenen Jahr schon bergauf. Dieses Jahr haben wir noch eins draufgesetzt“, sagt Eger. „Die Auftragsbücher unserer beiden Firmen sind gut gefüllt. Ich hoffe, dass das auch im nächsten Jahr so bleibt.“ Die Firma „hanse chemie AG“ stellt Produkte der Spezialchemie her, wie Abformmassen für den Dentalbereich oder Materialien für den Baubereich und Automobilzulieferer. Das Schwesterunternehmen „nanoresins AG“ ist weltweit eines der wenigen Unternehmen, das Nanomaterialien im industriellen Maßstab herstellt. Seit dem 12. Mai gehören beide Firmen zum Evonik-Konzern. Sie beschäftigen zusammen knapp 100 Mitarbeiter.
Wie Unternehmen mit der wirtschaftlichen Lage klarkämen, hänge auch sehr von deren Betätigungsfeld ab, so Torsten Wilms von der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht. „Gerade für das Handwerk ist es schwer, mit den Schwankungen am Kapitalmarkt umzugehen, weil das natürlich die Planungsmöglichkeiten für die Unternehmen erschwert“, betont Wilms.
Im Lauenburger Traditionsunternehmen Worlée spürt man derzeit zwar Veränderungen in einigen Absatzmärkten, insgesamt sei aber kein negativer Trend erkennbar, so Unternehmenssprecher Klaus Köhler. Worlée produziert am Standort Lauenburg mit etwa 190 Mitarbeitern jährlich etwa 40.000 Tonnen umweltverträglicher Zusätze für Lacke und Farben. Das Unternehmen unterhält zurzeit Kundenbeziehungen in 56 Ländern rund um den Erdball.
Weniger gut sieht es bei dem Glinder Unternehmen Dhollandia aus, das unter anderem Hubladebühnen für Lkw und Lifte herstellt. Hier sind die Aufträge im Vergleich zu den ersten sieben Monaten des Jahres um 40 Prozent zurückgegangen. „Wir müssen darüber nachdenken, ob wir die Personaldecke ausdünnen“, sagt Geschäftsführer Stefan Holert. Derzeit sind hier 15 Mitarbeiter tätig.bgz
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