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Spendensammler verurteilt - Jetzt Urlaub auf Mallorca

Lüneburg. Der sogenannte "Spendenclown" aus Bardowick ist vom Landgericht Lüneburg wegen Unterschlagung zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Seine Komplizin bekam eine Bewährungsstrafe. Das Paar hatte die Spenden für "Kinder in Not" in die eigene Tasche gesteckt.
Kurz nach seiner Verurteilung: Der 48-Jährige Jürgen Wißner telefoniert vor dem Gericht und bietet Journalisten Interviews an - gegen Geld.
Foto: Eggeling
Kurz nach seiner Verurteilung: Der 48-Jährige Jürgen Wißner telefoniert vor dem Gericht und bietet Journalisten Interviews an - gegen Geld.
Jürgen Wißner ist geschäftstüchtig: Kaum hat sich das Tor des Untersuchungsgefängnisses am Lüneburger Markt hinter ihm geschlossen, sucht er schon nach der nächsten Einnahmequelle: "Wenn die Aufwandsentschädigung stimmt, gebe ich Ihnen ein Interview." Er würde "alle Details" erzählen. Die neben dem Landgericht stehenden Journalisten schauen den Spenden-Clown aus Bardowick ungläubig an, kein Kollege will dem Mann nur einen Cent geben. Wißner, der freudig zustimmt, künftig mit vollem Namen genannt zu werden, ist gerade vom Landgericht zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Doch bis er ins Gefängnis einrücken muss, ist er ein freier Mann. Der 48-Jährige genießt seinen Auftritt sichtlich und fragt eine Reporterin: "Wollen Sie mit mir bis Sonntag nach Mallorca fliegen?" Offensichtlich sein nächstes Ziel.
Winkend verabschiedet sich der zu viereinhalb Jahren Haft verurteilte Spendensammler in den "Urlaub" nach Mallorca.
Foto: Eggeling
Winkend verabschiedet sich der zu viereinhalb Jahren Haft verurteilte Spendensammler in den "Urlaub" nach Mallorca.
Wißner hatte sich als Clown verkleidet und in Fußgängerzonen in Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen Passanten um Spenden für den Verein "Kinder in Not" gebeten. Er hatte bei mindestens 670 Sammlungen bis zu zwölf "Werber" im Einsatz. Auch in Bergedorf und Geesthacht standen sie. Dabei sollen laut Gericht Beträge im "tiefen sechsstelligen Bereich" zusammengekommen sein. Ein Teil landete bei den Sammlern, der große Rest bei Wißner. Bei Hilfsorganisationen kamen gerade mal 8000 Euro an. Angeklagt war lediglich ein Zeitraum von November 2007 bis Oktober 2008. Auch danach machte der Bardowicker weiter, Oberstaatsanwalt Heinrich Dresselhaus hatte Unterlagen für eine zweite Anklage bereits auf dem Schreibtisch. Doch diese Fälle werden voraussichtlich eingestellt. Wißner muss dafür dieses Urteil annehmen, so der "Deal" mit dem Gericht.
Seine Komplizin, Cornelia D., kam glimpflich davon. Sie wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, die die 2. große Hilfsstrafkammer auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt hat. Vorsitzender Axel Knaack und seine Kollegen hielten der 30-Jährigen zugute, dass Wißner sie in die Sache reingezogen habe und sie von alleine ausstieg. Allerdings hätte sie im Nu darauf stoßen können, dass es nicht darum ging zu helfen, sondern sich ein angenehmes Leben zu finanzieren, sagte der Vorsitzende Richter. So sei der Verein lediglich zum Schein gegründet worden, es habe nicht einmal eine Gründungsversammlung gegeben. Auch Kassenprüfer und Revisoren habe Wißner nie Unterlagen prüfen lassen.
Während Cornelia D. in 34 Fällen wegen Untreue verurteilt wurde, waren es bei Wißner 40. Mit dem Untreuevorwurf ging die Staatsanwaltschaft einen Umweg. Sie hätte sonst Tausende Spender aus den Fußgängerzonen befragen müssen, ob sie sich betrogen gefühlt hätten. Das Gericht geht nun davon aus, dass Wißner und seine ehemalige Lebensgefährtin nicht die Spebnder betrogen sondern ihren Verein hintergangen haben: Denn sie haben das Geld eben nicht einem guten Zweck zugeführt, sondern es für teure Autos, Urlaube und Zockereien im Internet veruntreut.
Die Kammer setzte den Haftbefehl gegen Wißner außer Kraft, daher kam er aus der Untersuchungshaft frei, die auch wegen Fluchtgefahr angeordnet worden war. Obendrein erließen die Richter dem Mann, der auch wegen verschiedener Betrügereien unter anderem mit Todesanzeigen bereits im Knast saß, ein halbes Jahr Haft. Weil das Gericht überlastet war, habe es zulange gedauert, bis der Prozess startete: Wißner muss daher für vier statt viereinhalb Jahre hinter Gitter. Wann er die Haftstrafe antreten muss, ist noch unklar.
Gestern wollte Wißner, der bei der Staatsanwaltschaft angegeben hatte, von kleinen Zuwendungen seiner Eltern zu leben, erst einmal in den sonnigen Süden - eben für ein Wochenende nach Mallorca. Ein Geldproblem scheint ihn also nicht zu plagen.
16 Kommentare
Tante Katze meint:
3 mal mit gemacht ????
beim ersten mal bekommt man 80,- und weiß wie gut der Verein ist
also das kann ich nicht so ganz glauben .
dass du nur 3 mal da warst :(
jeder der da gearbeitet hat sollte sich schämen.
ich hab da auch gearbeitet und hab heute noch ein schlechtes Gewissen.
Ich bin froh das endlich der Sauladen zu ist und sein bruder in bayern ist hoffentlich als nächster dran.
ichhalt meint:
An den Sammelständen waren besorgte Mütter von Krebskrankenkindern,die wirklich gedacht haben,anderen Kindern,denen es genauso "beschissen" geht,wie ihnen selbst!!!Was gar nicht der Fall war!Davon mal abgesehn,er hat nicht nur die Sache mit den Spenden "abgezogen" sondern noch viel viel mehr!Er hatte Sex mit minderjährigen,hat über die Todesanzeigen in Zeitungen frische Witwen "abgezogen"(offene Rechnungen vom Ehemann...) und er hat wichtige Institute wie den ASB in den Dreck gezogen!!!Und die Reise nach Mallorca...,dass die Eltern diese finanzieren stimmt auch nicht ganz,er fliegt dort oft hin und bekommt dafür noch Geld,weil dort angeblich sein Büro ist und es eine "Geschäftsreise" ist!

@Tina

Es heißt nicht,dass es nun sein "abzocker" Ende ist..er wird sicherlich mit guter Führung nach 3 bis 3,5 Jahren entlassen und dann die nächste Sache machen und zwar Leute über Hotlines "abziehn"... Er war schon einmal auf Bewährung und wirds danach auch wieder bekommen und nochmal und nochmal und nochmal...er ist ein "mensch2 der nicht aufgibt und der im Reichtum lebt und immer leben wird,und das mit einem Sonderschulabschluss...RESPEKT DAFÜR!! :D
Tina meint:
Nun spricht hier mal eine Expertin vom Fach *g*.
Ich kenne den Knaben nur zu gut :).
Bin selber als Sammlerin hinein gerutscht und glaubte anfangs tatsächlich damit einem guten Zweck zu dienen, kranken Kindern zu helfen.

Doch schon am ersten Tag stellte ich fest, dass es sich lediglich um eine Drückerkolonne handelte, die Jürgen gut und schorf im Griff hatte. Ich schaute mir das ganze Ding noch 3 x aktiv an, um etwas mehr Einblick in die Sache zu bekommen. Noch kurz angemerkt: Als ich aufhörte, wurde er sowas von wütend und drohte mir am Telefon.
Hat ihm aber auch nicht wirklich weitergeholfen, smile.

Daher weiß ich auch, dass der geschätzte Betrag von 116.000 €, die vom Gericht zugrunde gelegt wurden, lächerlich sind. Das kam schon in max. 3 Monaten zusammen, lol. Aber das sind ja nur Beträge, die auf Konten gelandet und nachweisbar sind.

Wieviel davon noch so auf Sparbüchern bei seinen Miezen schlummern und ihn nach der Entlassung glücklich machen werden, weiß ja keiner so genau.

Ich denke mal, dass das Gericht nur keine Lust hatte, daraus ein Mammut - Prozess zu machen und sich ewig lange mit so einem Betrüger zu befassen. Kostet ja auch noch zusätzlich viel Geld. Daher auch der Deal. Der Knast selber kostet pro Tag schon um die 150 €, arme Steuerzahler !!!

War bei der Verhandlung übrigens teilweise dabei und einfach nur Kopf geschüttelt, was so auf den Tisch und vor allem unter`n Tisch kam.

Ja, ja, der Jürgen ist ein schlauer Fuchs, hehe ...

Man darf gespannt sein, was er nach seinem Hafturlaub wieder auf die Beine stellt :)))

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