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Betroffene wollen gegen Hamburg Wasser klagen

Bergedorf. Dreimal ist Bergedorf-Süd im Sommer "abgesoffen". Es sind Keller, und Tiefgaragen in Abwasser-Fluten versunken, Fäkalien ergossen sich über Wege und Gärten. Für die Betroffenen ist der Verantwortliche klar. Doch die Hamburger Stadtentwässerung besteht auf Einzelfallprüfungen.
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Dreimal mussten die Anwohner nach den Überflutungen  stinkende Abwasser-Schlämme aus Kellern und Garagen schaufeln, die mit Fäkalien durchsetzt waren.
Foto: Schütt
Dreimal mussten die Anwohner nach den Überflutungen stinkende Abwasser-Schlämme aus Kellern und Garagen schaufeln, die mit Fäkalien durchsetzt waren.
Sie sieht nicht in ihren Sielbauarbeiten und stark verringerten Sielleistungen den Auslöser der Fäkalflut sondern in drei nicht vorhersehbaren „Starkregen-Ereignissen“. Voraussichtlich haben bald Richter das Wort: Grundeigentümerverein und die Firma Glunz streben eine Musterklage an. Auch die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille prüft inzwischen juristische Schritte.
In Bergedorfs Hauptausschuss hatten sich HSE-Mitarbeiter bemüht, Fragen zu klären und die weiterhin starre Haltung der Hamburg-Wasser-Tochter zu begründen. Was der Bauleiter und ein Abteilungsleiter äußerten, ließ Zuhörer und Politiker ratlos zurück. „Sie haben die Abflussleistung während ihrer Sielarbeiten im Neuen Weg um 40 Prozent von 2500 auf 1500 Liter je Sekunde reduziert“, rechnete Werner Omniczynski (SPD) vor. „Angesichts dieser Daten behaupten Sie, die großen Schäden seien Ergebnis der Regenfälle, Schicksal der Anlieger?“
Die Ankündigung, Hamburg Wasser werde jeden exakt begründeten Schadensfall genau prüfen, erinnert Sven Noetzel (CDU) an die Versicherungsbranche. „Wozu Einzelfallprüfungen? Tatsache ist, es hat viel geregnet, es konnte weniger Wasser als sonst abfließen, und der Schiet ist den Menschen in Keller und Tiefgaragen gelaufen.“
Die Bille-Baugenossenschaft befinde sich in Kontakt mit Hamburg Wasser, bestätigt Vorstandsmitglied Markus Tanne. Der Schaden der Genossenschaft selbst belaufe sich auf eine fünfstellige Summe. „Stark betroffen sind einige unserer Mieter Am Pool. Ihnen sind mehrfach die Keller vollgelaufen, viele sind sehr erbost, manche haben Strafanzeige gegen Hamburg Wasser erstattet.“
Bislang waren die Kontakte zum Unternehmen wenig ergiebig: „Nach der zweiten Flut hatten wir Hamburg Wasser angeschrieben, sie sollten Vorsorge treffen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“ Die dritte Flut folgte nicht mal drei Wochen später. Hinzu kam ein Brief: „Hamburg Wasser hat uns mitgeteilt, man leiste Schadensersatz nicht pauschal“, sagt der Leiter der Rechtsabteilung: „Wir überlegen nun, welche auch juristischen Schritte wir einleiten.“
Für Julia Hartenstein, Geschäftsführerin der Firma Glunz, ist dies keine Frage mehr: „Wir und unsere Mieter werden im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen. Das werden wir nicht auf sich beruhen lassen.“ Der Gesamtschaden an und in den Glunz-Immobilien belaufe sich auf mehr als 400.000 Euro. „Etwa Dreiviertel davon sind durch die Versicherung gedeckt, aber die Einbußen durch die Kündigung von 80 Prozent unser Tiefgaragenmieter ersetzt uns niemand“, sagt Volker Burmester (Grundstücksverwaltung).
Zunächst war Heinz Pilzweger zurückhaltend, was die Erfolgsaussichten eines Rechtsstreits anbelangt. „Je weiter wir bohren, desto mehr verwickelt sich Hamburg Wasser jedoch in Widersprüche“, sagt der Geschäftsführer des Grundeigentümervereins. So seien die Regenfälle mal „50-Jahresereignisse, mal 55-Jahresereignisse, mal leistet das Pumpwerk am Curslacker Neuen Deich, 500, mal 550 dann 600 Liter die Sekunde.“
Kanal muss nur Regenmengen fassen, wie sie alle zwei Jahre auftreten
„Der Starkregen war schuld.“ Auf vier Worte lassen sich die Antworten von Hamburg Wasser sowie Senat zu Fragen reduzieren, warum diesen Sommer dreimal Bergedorf-Süd in einer Flut von Regen- und Abwasser versank. Sollten Richter diese Meinung bestätigen, wäre es nicht die Hamburger Stadtentwässerung (HSE) mit ihrer Sielbaustelle im Neuen Weg sondern höhere Gewalt, die Keller mit einer stinkenden Brühe geflutet, Autos und Einrichtungsgegenstände vernichtet und Schäden in Millionenhöhe angerichtet hat.
Haben die Betroffenen keine Elementarversicherung, müssten sie für ihre Schäden selbst aufkommen. Die Stadtentwässerung weist jede Verantwortung zurück: Zwar gilt das alte Drucksiel entlang des Curslacker Neuen Deichs mit 2500 Litern/Sekunde als wenig leistungsfähig und soll durch eine neues Siel mit 5000 Litern/Sekunde ersetzt werden. Dass der Ersatz für die Bauphase nur 1500 Liter bewältigt, sei aber nicht Auslöser der Überschwemmungen: „Das Wasser fließt zum alten Pumpwerk am Curslacker Neuen Deich, das schafft seit jeher nur etwa 550 Liter die Minute“, erläutert Ingenieur Klaus Krieger. „Ist die Menge größer, staut sie sich in dem 1,80 Meter messenden Siel davor. Erst wenn das nicht reicht, läuft es in die Brookwetterung über“, so der Abteilungsleiter Konzeption der Ver- und Entsorgungssysteme bei Hamburg Wasser.
Dass etwa 3000 Kubikmeter Stauraum diesen Sommer dreimal nicht gereicht haben, soll am aufgetretenen Starkregen liegen. Kritik von Betroffenen, die HSE müsse doch Klimawandel und wachsende Regenmengen berücksichtigen, weist Krieger zurück. Bislang haben die Gutachter die Vorgaben nicht geändert: „Wir wissen bislang einfach nicht, wie die weitere Entwicklung verläuft.“ Aktuell seien die Siele für Regenmengen ausgelegt, wie sie rechnerisch alle zwei Jahre auftreten.
„Wir haben aber in wenigen Jahren ein über 50jährliches Ereignis, ein über 25jährliches und ein über vierjährliches Ereignis verzeichnet“, so Krieger. Dafür ausreichend dimensionierte Siele seien aber „schlichtweg unwirtschaftlich und im vorhandenen Straßenraum kaum zu realisieren“.
3 Kommentare
Schwarzer Peter meint:
Wissen einige Leute eigentlich was passieren wird, wenn man die Siele auf solche Starkregenfolgen anpassen würde? Im Sommer werden sich alle Anwohner über Geruchsbelästigung beschweren dafür sind die Keller trocken - klagen wir einfach mal wieder. Es muss nachgespült werden (gegen den Geruch) und der Wasser/Abwasserpreis steigt. Solche Starkregenfolgen gibt es seit eh und je in dieser Region warum schließt man keine Versicherung zusätzlich ab oder Schützt das Haus druch Hebelpumpen/Rückstauklappen etc.?

Statt sich mal zu informieren lieber klagen - Auf gehts in "Schwarze-Peter-Spiel".
Suboptimal meint:
In einem Strafprozess hat man als Angeklagter das Recht, zu schweigen. In einem Zivilprozess hat man die Wahrheit vorzutragen, anderenfalls macht man sich strafbar.
Regenschauer meint:
Das mag ja alles richtig sein, was seitens Hamburg Wasser doziert wird. Fakt ist aber, dass das Nadelöhr weiter vorn in der Straße Neuer Weg liegt, und Stauraum bis zum Pumpwerk Curslacker Neuer Deich gar nicht zur Verfügung steht.
Die Pumpenanlage im Neuen Weg, die ankommendes Abwasser an der Baustelle überpumpt, ist zu klein ausgelegt, was durch Hamburg Wasser bisher auch nicht dementiert wurden. Als Angeklagter hat man ja auch das Recht zu schweigen...

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