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Jürgen W. drohen viereinhalb Jahre Haft

Bergedorf/Geesthacht/Lüneburg. In bunten Clowns-Kostümen oder auffälligen Westen waren sie auch in Bergedorf und Geesthacht unterwegs - Sammler des dubiosen Vereins "Kinder in Not". Jetzt stehen die Verantwortlichen vor Gericht. Jürgen W. droht eine lange Haftstrafe.
Februar 2008: Spendensammler des dubiosen Vereins versuchen im Sachsentor Kasse zu machen.
Foto: Anne K. Strickstrock
Februar 2008: Spendensammler des dubiosen Vereins versuchen im Sachsentor Kasse zu machen.
Die Spendensammler aus dem Kreis Lüneburg sollen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben: Nach Erkenntnissen der Justiz hat der Verein gesammeltes Geld nicht wie versprochen an Kinder in Not weitergeleitet, sondern vor allem auf eigene Konten. Der Bardowicker Jürgen W. (48) und seine damalige Partnerin Cornelia D. (30) müssen sich deshalb seit Dienstag vor dem Landgericht Lüneburg verantworten.
Oberstaatsanwalt Heinrich Dresselhaus legt dem Duo gewerbsmäßige Untreue in 57 Fällen zur Last. Die beiden sollen zwischen November 2007 und Oktober 2008 mit ihren Helfern in norddeutschen Städten Geld gesammelt haben. Das soll dann abends im gemeinsamen Haus in Bardowick verteilt worden sein, bis zu 50 Prozent der Einnahmen gingen an die eingesetzten Sammler. Dabei entstand ein Schaden von rund 116.000 Euro, weniger als 10.000 Euro sollen bei kranken Mädchen und Jungen angekommen sein.
Die Staatsanwaltschaft geht mit ihrer Anklage quasi einen Umweg. Denn in einem Betrugsverfahren müssten einzelne Spender, die etwa im Sachsentor ein paar Euro in die Sammelbüchse gesteckt haben, den Schaden geltend machen. Vorsitzender Richter Axel Knaack erklärte daher den Untreue-Vorwurf: Der Verein „Kinder in Not“, der später „Gegen Kinderarmut“ hieß und inzwischen mangels Mitgliedern aufgelöst wurde, hat in seiner Satzung stehen, dass er ,,selbstlos“ helfen wollte. Dadurch, dass die beiden Angeklagten laut Anklage Geld für sich genutzt haben, habe der Verein seinem Ziel der Hilfe nicht nachkommen können.
Offenbar sehen Staatsanwalt und Kammer Jürgen W. als Drahtzieher, er sitzt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Ihm droht eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren, davon sollen sechs Monate als verbüßt gelten. Für Cornelia D. könnte das Verfahren nach dem Vorschlag der Richter mit einer Bewährungsstrafe zwischen einem und eineinhalb Jahren enden. Dass die Konstruktion der Staatsanwaltschaft auf einem sicheren Fundament ruht, zeigt sich daran, dass das Oberlandesgericht Celle eine Haftbeschwerde von W. abgelehnt hat. Das Gericht geht laut Sprecher Dr. Volker König von einer ,,erheblichen Haftstrafe“ aus.
Auch in Geesthacht und Bergedorf waren die dubiosen Spendensammler unterwegs. In Geesthacht machten sie zuletzt im Februar vergangenen Jahres Schlagzeilen, als sie aus dem Plaza-Center vertrieben wurden. In Bergedorf versuchten sie zum Beispiel im Februar 2008 Kasse zu machen, obwohl die Bergedorfer Zeitung nach Hinweisen der Verbraucherzentrale mehrfach vor dem Verein warnte. Die Sammler erhielten schließlich vom Bezirksamt Platzverweise.
Bei der Staatsanwaltschaft sollen weitere Vorwürfe gegen Jürgen W. vorliegen, heißt es aus Justizkreisen. Denn nachdem dessen Gebaren durch Berichte in der „bz“ und anderen Zeitungen aufgeflogen war, soll er mit der Mitleidsmasche weitergemacht haben.
Kommt es zu Geständnissen und in der Folge zu einer Einigung, könnte allen Beteiligten vor Gericht ein langer Prozess erspart bleiben. Aktuell sind elf Verhandlungstage angesetzt, die Kammer deutete aber an, es könnten bis zu 50 werden.
6 Kommentare
Redaktion meint:
@ JJ: Weil wir eine Zeitung sind und nicht der "Pranger". Auch - und gerade - mutmaßliche Verbrecher haben ein Recht am eigenen Bild. Übrigens: Noch ist niemand verurteilt.
Nobody meint:
`Locke`
Genau solche Opfer wie Du machen es den Betrügern zu
leicht!
Stelle mich morgen auch in die Passage und nach dem `Gesetz der großen Zahl` `wirft jeder 4-5 Bürger Geld in meinen Pott.

Hoffentlich Wählst Du nicht auch so ohne Verstand!
EC meint:
Diese Leute standen auch lange Zeit vor dem Alsterhaus am Hamburger Jungfernstieg. In der Tat, "Locke", ich habe das so gemacht: Namen der Organisation gemerkt, zu Hause im Internet recherchiert, nichts gespendet, weil sehr zweifelhaft. Ich finde den Tipp von "Nobody" nicht verkehrt, zuerst mal nachzulesen, an wen ich spende, bevor ich auch nur einen einzigen Euro in die Sammeldose werfe. Eine anderes Problem ist sicherlich, dass diese Leute auf viele Passanten mit Fotos kranker Kinder sehr seriös gewirkt haben, so dass sie gar nicht auf die Idee kamen, mal zu hinterfragen, was das für Kriminelle waren.

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