Altkleider

Klamotten-Krieg: Kampf um alte Kleider

Foto: Thomas Voigt

Bergedorf. Weil der Weltmarkt für Secondhand-Kleidung boomt und Sortierbetriebe Höchstpreise zahlen, gibt es immer mehr Konkurrenz unter Altkleider-Sammlern.

Wohin mit den alten Klamotten im Schrank, die man nicht mehr trägt? Die Wahl fällt schwer, denn um die Sammlung und den Handel mit Altkleidern hat sich ein harter Wettbewerb entwickelt. Nicht mehr nur gemeinnützige Einrichtungen wie DRK oder Johanniter rangeln mit immer mehr gewerblichen Sammlern um die gebrauchten Textilien, auch die Kommunen und ihre Entsorgungsbetriebe stellen vermehrt Container für Kleiderspenden auf.

Die Preise steigen

„Die weltweite Nachfrage nach Secondhand-Kleidung steigt, besonders in Afrika und Asien, und mit ihr steigen die Preise“, nennt Andreas Voget den Grund für die neue Geschäftigkeit. Der Chef des Dachverbands gemeinnütziger Altkleidersammlungen „Fairwertung“ in Essen hat in den vergangenen zwei Jahren einen Preisanstieg von mehr als 20 Prozent für unsortierte Altkleidung notiert. Etwa 450 Euro pro Tonne zahlt ein deutscher Sortierbetrieb heute an seine Lieferanten. 150 Euro waren es noch vor gut zehn Jahren.

Kommunale Entsorger mischen mit

Die Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), Entsorger und Verwerter privater Abfälle in Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg, stieg schon 2011 groß ins Geschäft ein, hat seitdem mehr als 400 Sammelcontainer in den beiden Landkreisen aufgestellt. Der gesammelte Klamottenberg dürfte sich in diesem Jahr im Vergleich zu 2012 auf 1000 Tonnen verdoppeln, meint AWSH-Sprecher Olaf Stoetefalke. Das ergibt knapp eine halbe Million Euro Umsatz, die laut Stoetefalke nach Abzug der Kosten den Bürgern durch geringere Abfallgebühren zugute kommen.

Stadtreinigung will Container aufstellen

Auch die Stadtreinigung Hamburg (SRHH) erwägt nun, zusätzlich zu ihren Altglas- und Papiercontainern zunächst probeweise an 25 Standorten Container für Altkleider zu postieren. „Wo genau wir anfangen wollen, ist noch nicht entschieden“, sagt SRHH-Sprecher Rüdiger Fiedler. Damit sei derzeit eine Projektgruppe befasst. Noch in diesem Jahr könnten aber die ersten Container stehen, vielleicht auch im Bezirk Bergedorf.

DRK hat das Nachsehen

Mitbewerber finden so etwas gar nicht witzig. „Wir haben mit unseren 44 Altkleider-Containern in Stormarn stets 15.000 Euro Einnahmen erzielt“ sagt Olaf Berndsen, stellvertretender DRK-Kreisgeschäftsführer. „Jetzt sind es nur noch 33 Container und etwa 10000 Euro.“ Denn auf Bestreben der AWSH haben einige Kommunen dem DRK die Genehmigung zum Aufstellen der Container nicht mehr verlängert. Allein in Glinde verlor das DRK sieben Standorte.

10.000 illegale Container

Gewerbliche Altkleider-Sammler nehmen es mit so einer Genehmigung oftmals nicht gerade genau. Sie sind meist auf Container-Standorte auf privatem Grund angewiesen, weil kaum eine Kommune sie auf öffentlichen Flächen gewähren lässt. In den letzten Monaten mehren sich aber die Fälle, in denen Container für kurze Zeit illegal aufgestellt werden. Andreas Voget von „Fairwertung“ schätzt bundesweit 10.000 Stück solcher illegaler Wanderbehälter.

Am besten vor Ort spenden

Dass angeblich ein Großteil der gesammelten Textilien geschreddert und zu Baustoff verarbeitet wird, ist laut Voget ein weit verbreiteter Irrtum: „Geld verdienen lässt sich nur mit Secondhand-Bekleidung.“ Ebenso unrichtig ist nach Auffassung Vogets, dass Gebrauchtkleiderexporte der Wirtschaft in den ärmeren Zielländern schaden: „Für viele Menschen dort ist Secondhand-Kleidung die einzige Möglichkeit, gute Kleidung zu einem bezahlbaren Preis zu kaufen.“ Gleichwohl rät er zu Kleiderspenden an soziale Einrichtungen vor Ort: „Awo-Sozialkaufhäuser oder Kirchengemeinden sind gute Adressen.“