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Dritte Fäkalien-Flut - Eigentümerverband bereitet Klage gegen Hamburg Wasser vor

Bergedorf. Jetzt geht Bergedorf-Süd schon im Wochenrhythmus in Fäkalien unter: Nach der Überschwemmung vom 19. August und dem Beinahe-Untergang eine Woche später genügten in der Nacht zum Montag schon zehn Minuten Starkregen bei nur 25 Millimetern pro Quadratmeter.
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Wasser Bergedorf-Süd
Foto: Neff
Montagnachmittag: Hans-Dieter Schwieger sichert mit Klaus-Peter Waschatz die gemeinsame Garage im Glaeßweg mit Sandsäcken.
Wieder glichen die Straßenzüge Am Pool und Rektor-Ritter-Straße, aber auch Holtenklinker Straße, Soltaustraße und Brookstraße einer Seenlandschaft. Wieder liefen diverse Keller und Tiefgaragen voll. Wieder traf es sogar an den Straßen geparkte Autos, wieder rückten fünf Freiwillige Feuerwehren und die Bergedorfer Berufswehr an. Und wieder ließen die Fluten Fäkalien, Damenbinden und Klopapier zurück.
„Das beginnt schon auf der Anfahrt zu stinken“, sagt Harald Wegner aus Kirchsteinbek. Der Vize-Bereichswehrführer hatte Sonntagnacht die Einsatzleitung. Zweimal zuvor war er mit seiner Wehr vor Ort. „Uns sind dabei so viele Stiefel mit Fäkalien vollgelaufen, dass es schwierig ist, noch neue von der Feuerwehr Hamburg zu bekommen. In meinen 30 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr ist mir so etwas noch nicht untergekommen.“
Den Anwohnern lief das mit Fäkalien durchsetzte Abwasser direkt in die Hauseingänge.
Foto: Leimig
Den Anwohnern lief das mit Fäkalien durchsetzte Abwasser direkt in die Hauseingänge.
Wie bei Harald Wegner, der bei jedem Starkregen über Kirchsteinbek „fest davon ausgeht, dass 20 Minuten später ein Einsatz in Bergedorf-Süd folgt“, gehört der bange Blick Richtung Himmel bei den Bewohnern des Stadtteils heute zum Alltag. „Wir können nicht mal mehr in den Urlaub fahren“, sagt Hans-Dieter Schwieger, der an der Rektor-Ritter-Straße ein Mehrfamilienhaus hat. Bei ihm lief wieder der Keller voll, obwohl er die gefährdete Außentreppe mit einer 25 Zentimeter hohen Mauer und vier Lagen Sandsäcken gesichert hatte. Für ihn steht fest: „Dieses Mal kommt Hamburg Wasser nicht ungeschoren davon.“
Tatsächlich gingen gestern eine ganze Reihe Strafanzeigen gegen das städtische Unternehmen bei der Polizei ein. Hintergrund: Bewohner und Grundeigentümer sehen in der unzureichenden Umleitung der Fäkalien an der Großbaustelle im Neuen Weg die Ursache für ihre regelmäßig überschwemmten Keller und Tiefgaragen. Nachdem Hamburg Wasser bereits zugegeben hatte, dass das Provisorium 30 Prozent Wasser weniger durchleitet, als die uralte Sielleitung, die gerade saniert wird, sickerte gestern noch ein neuer Skandal durch: Die jüngste Flut wäre vermeidbar gewesen. Die stinkende Brühe hätte nach den Erfahrungen vom 19. August per Überlauf in die Brookwetterung fließen sollen. Die Fertigstellung war für vergangene Woche anvisiert. Doch das Projekt war Hamburg Wasser zu teuer.
„Es soll sich um 50.000 Euro handeln. Das ist ein Witz angesichts der Schäden im Stadtteil“, ärgert sich Volker Burmester vom Immobilienunternehmen Gebr. Glunz. „Allein wir haben pro Flut bis zu 180.000 Euro Schaden.“ Die Gesamtkosten summierten sich so in ganz Bergedorf-Süd heute auf einen zweistelligen Millionen-Betrag.
So sieht es auch Heinz Pilzweger. Der Geschäftsführer des Bergedorfer Grundeigentümervereins bereitet nach der dritten Überschwemmung nun juristische Schritte gegen Hamburg Wasser vor – und hofft auf Unterstützung durch die Versicherungen: „Sie haben erhebliche Kosten zu begleichen. Da müsste das Interesse groß sein, die Verantwortung für diesen Untergang eines ganzen Stadtteils mit den besten Gutachtern und Anwälten vor Gericht klären zu lassen. Und die Bezahlung der Honorare unter allen aufzuteilen.“ Die Stoßrichtung beschreibt er in seinem gestrigen Brief an Hamburg Wasser: „Heute dienen die Keller und Tiefgaragen als Vorfluter. Anwohner äußern die Meinung, dass der Ersatzvorfluter (der Baustelle von Hamburg Wasser) grob fahrlässig unterdimensioniert wurde.“
Hamburg Wasser dagegen spricht von Regenmengen, die normalerweise nur alle 25 bis 50 Jahre vorkommen. Für derartige Wolkenbrüche seien die Siele ohnehin nicht ausgelegt (wir berichteten).
7 Kommentare
Dustin Hoffman meint:
Kleiner Tipp ,
man sollte mal eine Probe an die TU Hamburg schicken, mal sehen was für Keime sich da befinden. Auch das Krankenhaus ist nicht weit weg, ich habe noch keine Aktion gesehen die hinsichtlich auf Desinfektion durchgeführt wurde.
Hoffentlich muß da nicht ein kleiner Stadtteil evakuiert werden, alle Filme werden Wahrheit .Ich sag nur Outbreak......
Katrin meint:
Und die Versicherungen bezahlen doch größtenteils nichts, wegen "Höherer Gewald" - Starkregen, aber es sind doch eigentlich Abwasserschäden??? Oder man bekommt hier schon gar keine Versicherung mehr, das gibts auch. Es hat Sonntag nur ein bisschen geregnet und bevor die Straße eigentlich richtig nass war, schoss das Abwasser schon aus den Gullis, das kann doch nicht wahr sein!
Jörg Hinzmann meint:
Es ist eine bedauerliche Entwicklung unserer Zeit, dass sich der Staat bzw. seine Staatsbetriebe nicht mehr den rechtlich auferlegten Verantwortlichkeiten verpflichtet fühlt. Wir, die Bürger und Unternehmen dieses Landes lassen uns diese Willkür glücklicherweise nicht gefallen und gehen mit Rechtmitteln dagegen vor. Die Kompetenzen für unser Gemeinwesen verlagern sich dadurch leider zunehmend auf die Bürger und die Justiz. Hoffen wir, dass sich zumindest die Justiz mit ihrer Gerichtsbarkeit und pflichtbewussten Staatsanwälten dieser Bürde bewusst sind.

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