Bürgerentscheid

Mehrheit gegen die Windkraftriesen?

Foto: Christine Schmidt

Bergedorf. Etwa 27.500 Bergedorfer beteiligten sich am Bürgerentscheid zur Windkraft. Eine Umfrage der „bz“ vor der Abstimmungsstelle lässt eine Mehrheit für die Gegner der Windkraftriesen vermuten.

Ginge es nach den gut 200 Bergedorfern, die am Tag des Windkraft-Bürgerentscheids am Donnerstag zur Abstimmung kamen, hätten die Gegner der 180-Meter-Riesen gewonnen. Das lässt unsere Umfrage vor der Abstimmungsstelle vermuten: Von 63 Bürgern, die sich zu ihrem Votum äußerten, gaben 43 an, die Aufstockung von 100 auf 180 Meter abgelehnt zu haben. Nur 20 stimmten dafür.

Ob der Bürgerentscheid tatsächlich so ausfällt oder vielleicht sogar das Gegenteil favorisiert, ist trotzdem offen. Denn die 63 Befragten entsprechen gerade mal 0,2 Prozent der Teilnehmer. „Etwa 27.500 Bergedorfer haben sich am Bürgerentscheid beteiligt. Die meisten schickten ihre Stimmen per Briefwahl ans Bezirksamt“, sagt Peter Moller, Leiter der Rechtsabteilung im Rathaus und stellvertretender Abstimmungsleiter.

Wahlbeteiligung liegt bei fast 30 Prozent

Damit beteiligten sich fast 30 Prozent der 95.000 Wahlberechtigten – obwohl der Bürgerentscheid mitten in den Sommerferien liegt. Ein Ansturm, den das Bezirksamt nicht erwartet hat, wie Moller zugibt: „Uns fehlt die Erfahrung. Schließlich ist es nach der Abstimmung über die Bebauung des ZOB aus dem Jahr 2000 erst der zweite Bergedorfer Bürgerentscheid. Mit einem Team von nur fünf Leuten wird das Auszählen mindestens eine Woche dauern.“

Die Auszählung erfolgt öffentlich

Die Arbeit der Wahldienststelle des Rathauses, Wentorfer Straße 38, ist öffentlich. Werktags von 8 bis 16 Uhr können sich Bürger einen Eindruck von der Arbeit und der Größe der Papierstapel auf der Seite der Bürgerinitiativen (maximal 100 Meter hohe Windkraftanlagen) und der Bezirksversammlung (180-Meter-Riesen) machen. Ungültige Stimmen erwartet Peter Moller kaum: „Es gab keine Ja/Nein-Kombinationen, sondern nur die Entscheidung zwischen zwei Feldern. Das minimiert das Risiko, aus Unkenntnis Fehler zu machen.“

Bürgerschaft entscheidet nach den Ferien

Dass der Bürgerentscheid am Ende tatsächlich Eingang in die politische Entscheidung über die Änderung des Flächennutzungsplans findet, ist nicht garantiert. Das Votum der Bergedorfer gilt für die Hamburgische Bürgerschaft als nicht bindend. Sie wird sich nach der Sommerpause mit dem Thema beschäftigen, das neben dem projektierten Windpark Curslack als Forschungsfeld der Wissenschaftler von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften an der A25 noch drei Gebiete umfasst: Ein Areal am Ochsenwerder Landscheideweg, eines zwischen KZ-Gedenkstätte und Neuengammer Hauptdeich und eines in Altengamme in Verlängerung der Straße Achterschlag.