Energiecampus Forscher verteidigt geplante 180-Meter-Riesen

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Bergedorf. Kurz vor dem Bürgerentscheid zur Windenergie gehen die Forscher von der HAW in die Offensive. Für die hohe Energieausbeute großer Anlagen gebe es technisch keine Alternative.

Die Zeit wird knapp. Schon morgen in einer Woche stimmen 95.000 Bergedorfer beim Bürgerentscheid über die Zukunft des Bezirks als Forschungsstandort für Windenergie abn – und damit auch über die hitzig diskutierte Aufstockung der maximalen Anlagenhöhe von 100 auf 180 Meter. Die Briefwahl läuft bereits.

Mitten in dieser heißen Phase äußert sich jetzt die Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Zu heftig ist die Kritik an ihrer „Akzeptanz-Studie“ zur Windkraft in Bergedorf, in der die Forscher nach ihrer repräsentativen Umfrage 63 Prozent Zustimmung zum geplanten Energie-Campus samt angeschlossenem Windpark Curslack errechneten. Dabei wurde eine Aufstockung der Anlagen gar nicht abgefragt.

Bei 180 Metern wird viel mehr Energie erzeugt

Prof. Dr. Werner Beba, designierter Energie-Campus-Chef, verteidigt seine Studie: „Wäre die Höhe der Anlagen abgefragt worden, hätte es der Erläuterung technischer Details sowie der drastischen Ertragsunterschiede bedurft. Konkret wird bei 180 Metern mehr als das Dreifache an Energie erzeugt.“ Das sei einerseits für mündliche Interviews mit den statistisch nötigen 543 Bergedorfern nicht umsetzbar. Andererseits könne ein solches Vorgehen als Beeinflussung der Befragten in eine Richtung gedeutet werden, die Studie also anfechtbar sein.

Prof. Beba sei es allerdings sehr wohl darum gegangen, dass die Bergedorfer „unbeeinflusst und übergreifend ihre Meinung zum Thema erneuerbare Energien und insbesondere Windkraft“ kundtun. Deshalb sieht er auch seine Schlussfolgerung als gerechtfertigt, die Bürger hätten für die Erhöhung der Anlagen votiert: „Eine breite Mehrheit stimmte in den vielen gestellten Fragen dem Ausbau der Windenergie für den Klimaschutz zu. Gleichzeitig bezeichneten nur 17 in einer allgemeinen Frage nach möglichen Ablehnungsgründen die Höhe als entscheidend.

Technisch ist es nicht möglich, mit 100 Meter großen Anlagen einen auch nur annähernd vergleichbaren Anteil an regenerativ erzeugtem Strom zu erzielen.“ Eine Frage nach Anlagenhöhen von 100 gegen 180 Meter hätte jedoch suggeriert, dass eine vergleichbare Klimaschutzleistung mit 100-Meter-Anlagen erreicht werden könnte.

Senatsanfrage wird Ende der Woche beantwortet

Für Ende dieser Woche wird nun die Antwort auf eine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator an den Senat erwartet. Dabei geht es neben der Höhe der Windkraftanlagen auch um deren Lärm, Speicherkapazität und ihren tatsächlichen Beitrag zur Energiewende.

Um den Ertrag der für den „Windpark Curslack“ zwischen Achterschlag und Curslacker Neuer Deich an der A25 geplanten 180-Meter-Anlagen zu belegen, hat Prof. er die nebenstehenden Schaubilder erstellt: Bei verdoppelter Leistung steigert sich der Jahresertrag auf das fast Dreieinhalbfache, weil in größeren Höhen der Wind konstanter weht. Entsprechend ersetzen die fünf Curslacker Riesen gleich 17 der bisher maximal 100 Meter großen Anlagen. Gleichzeitig brauchen sie zwar Warnlichter für den Flugverkehr, laufen aber mit reduzierter Drehzahl, was weniger Lärm bedeutet.

Das Stichwort „Auslaufmodell“ im Kasten der 100-Meter-Anlagen ist als Hinweis auf die Finanzierung von neuen Windpark-Projekten gemeint: Weil die Effektivität der niedrigeren Rotoren deutlich hinter der der neuen Riesen zurück bleibt, gilt es mittelfristig als unwahrscheinlich, noch Banken als Finanzierer zu finden. Windparks, die durch das Beharren auf alten Vorgaben nicht aufwachsen, könnten also mittelfristig verschwinden.