Umfrage

63 Prozent der Bergedorfer für mehr Windräder

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Bergedorf. 63 Prozent der Bergedorfer haben sich in einer Umfrage für den Ausbau der Windenergie im Bezirk ausgesprochen. Mit der selbst beauftragten Studie wirbt die HAW für den Bau des umstrittenen Energie-Campus.

Die HAW-Forscher sehen das Ergebnis der von ihnen selbst beauftragten repräsentativen Umfrage als Schulterschluss mit einer Mehrheit der Bergedorfer: Der umstrittene Windpark südlich der Autobahn 25 sollte gebaut werden. 63 Prozent der 543 Befragten haben sich für den Ausbau der Windenergie auch im Bezirk Bergedorf ausgesprochen.

Studie belegt nur die generelle Akzeptanz der Windenergie

Das löste Freude beim Team um den designierten Chef des am Schleusengraben geplanten Energie-Campus aus: „Die Bergedorfer sind sehr aufgeschlossen für den Nutzen der Windkraft. Und sie sind sogar bereit, die Anlagen in ihrem näheren Umfeld zu akzeptieren – sofern dafür im Gegenzug klimaschädliche Kraftwerke abgeschaltet werden“, sagte Prof. Dr. Werner Beba bei der Präsentation der Studie.

Die Studie hat die generelle Akzeptanz der Bergedorfer gegenüber der Windenergie abgefragt und auch die Bereitschaft zum Ausbau der Anlagen im Bezirk - von der Größe neuer Anlagen war aber bei der Umfrage nicht die Rede. Aber genau daran scheiden sich bei dem geplanten Energie-Campus die Geister.

Fünf Riesen-Windräder erhitzen die Gemüter

Denn gleich fünf der Windriesen sollen im künftigen Windpark Curslack südlich der A 25 entstehen, 20 Millionen Euro teuer und samt Flügeln 180 Meter hoch. In vier Wochen, am 11. Juli, gibt es dazu einen Bürgerentscheid, der die Höhen auf 100 Meter begrenzen will. Eine Perspektive, die den Forschern gar nicht schmeckt, wie der designierte Energie-Campus-Chef Prof. Dr. Werner Beba betont: „Will Hamburg von der stark wachsenden Windenergie-Branche profitieren, in der es heute schon 25.000 Arbeitsplätze in der Metropolregion gibt, braucht es einen Forschungsstandort mit 180-Meter-Anlagen.“

Die Energieausbeute ist drei mal so hoch in der Höhe

Sein Kollege Prof. Peter Dalhoff begründet das aus technischer Sicht: „In den Höhen bis 200 Meter gibt es deutlich stärkere und vor allem konstantere Winde. Die Energiegewinnung ist um das Drei- bis Dreieinhalbfache höher als bei herkömmlichen Anlagen. Dort liegt also die Zukunft, wenn wir unsere Städte und Landschaften nicht mit Rotoren zustellen wollen.“

Eine Sichtweise, die offenbar auch die Mehrheit der Bergedorfer teilt, bewerten die Forscher das Ergebnis der von der HAW beauftragten Studie unter 543 Bürgern des Bezirks. Nur 18 Prozent haben sich gegen den weiteren Ausbau der Windernergie ausgesprochen, fast zwei Drittel (63 Prozent) dafür, der Rest ist unentschieden. Fazit von Prof. Beba: „Die Energiewende ist in Bergedorf angekommen. Das ist eine sehr tragfähige Basis für unser Vorhaben.“

Bergedorf könnte wichtiger Windernergie-Standort werden

Sofern alle Genehmigungen erteilt werden, wird das geplante Forschungszentrum samt dem Windpark mit fünf insgesamt 180 Meter hohen Anlagen im Herbst 2014 an den Start gehen. Damit könnte Bergedorf Norddeutschlands wichtigster Standort der Windenergie-Forschung werden.

Allerdings beziehen dafür nicht nur 15 Professoren der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg samt Teams den geplanten, sechs Millionen Euro teuren Energie-Campus am Schleusengraben nahe der A 25. Sie brauchen dafür auch die 180 Meter hohen umstrittenen Forschungsanlagen.

Bergedorfer wollen bei der Standortwahl mitreden

Als Gründe für ihre positive Einstellung zur Windkraft auch vor der eigenen Haustür, führen die Bergedorfer laut Studie vor allem die Aussicht an, dass dafür klimaschädliche Kraftwerke abgeschaltet und Arbeitsplätze in Hamburg geschaffen werden. Doch fast ebenso wichtig ist ihnen, bei der Standortwahl ein gewichtiges Wort mitreden zu können. Die Kritiker sorgen sich dagegen um die Lebensqualität, fürchten Beeinträchtigungen für Natur und Umwelt.

Dass der Energie-Campus seine Forschungsanlagen in nächster Nähe haben muss, begründet Prof. Dalhoff mit der Arbeitsweise der Wissenschaftler: „Um beste Ergebnisse zu bekommen, muss immer wieder nachjustiert, direkt an der Technik beobachtet oder der eine oder andere Messpunkt versetzt werden. Da hilft es nicht, die Objekte über Hunderte Kilometer fernzusteuern und nur sporadisch besuchen zu können.“ Zudem gehöre zur effektiven Energie-Nutzung auch, sie dort zu produzieren, wo sie gebraucht werde – also gerade auch in Metropolen wie Hamburg.

Tatsächlich ist die Leistung der fünf geplanten Bergedorfer Riesen beeindruckend. Prof. Beba: „Sie produzieren eine Energiemenge, die ausreicht, um bis zu 18.000 Haushalte zu versorgen. Das ist mehr als ein Drittel des Bergedorfer Bedarfs.“