Abzocke
Tschechische Sex-Hotline verschickt falsche Rechnungen
Dienstag, 2. August 2011 19:05
- Von André Herbst
Bergedorf. Die Lohbrüggerin Ursula Schilakowski soll zahlen. 190 Euro für ein wenige Sekunden langes Telefonat mit einer tschechischen Sex-Hotline. Die rüstige 75-Jährige aber weigert sich - bislang mit Erfolg.

Foto: Herbst
Ursula Schilakowski zahlt nicht: Mahnungen und Drohungen haben bei ihr nicht funktioniert.
Die Abzocker werden immer dreister: Vor wenigen Tagen erhielt die Lohbrüggerin Ursula Schilakowski unter ihrer Adresse zum dritten Mal Post aus Tschechien – an einen Johannes Schilakowski: Der, so behauptet ein angebliches Inkasso-Unternehmen Kaver Plus, habe „Telefonsexdienstleistungen in Anspruch genommen“ und bislang nicht bezahlt – 90 Euro für einen Anruf von wenigen Sekunden. „In meiner Familie gibt es keinen Johannes Schilakowski. Und die genannte Handy-Nummer hat auch niemand“, sagt die resolute Seniorin, die im September 75 Jahre wird.
Die „Firma“ ist seit Jahren unter verschiedensten Namen aber immer derselben Postfachnummer (1107 in 36094 Petersberg) „tätig“. Ihr sind mehrere Fehler unterlaufen. Ursula Schilakowski wandte sich an die Polizei. Der Tipp, sie solle einfach nicht reagieren und die Schreiben in den Müll werfen, behagte der langjährigen Kommunalpolitikerin, Kirchenvorstandsmitglied und Begründerin der Grünen Damen am Bethesda Krankenhaus Bergedorf jedoch nicht.
„Genau zum Zeitpunkt des angeblichen Sex-Telefonats lag mein Schwiegersohn im Sterben, das ist schon etwas unheimlich.“ Noch mehr treibt die Witwe, Mutter und dreifache Oma jedoch eine andere Befürchtung um: „Wer hat alles noch solche Briefe erhalten und dann eingeschüchtert bezahlt?“ Bergedorfs Kripo geht der Angelegenheit nach. „Diese Firma fährt die Masche schon länger“: Dass es sich bei den genannten Telefon-Nummern um scheinbar normale Anschlüsse mit Vorwahlen für Hannover, Frankfurt oder Hamburger handelt, lässt Betroffene zunächst nichts böses ahnen.
Wer später Zahlungsaufforderungen und Mahnschreiben betrachtet, stolpert über Merkwürdigkeiten: Kaver Plus schrieb Johannes Schilakowski zunächst aus Pilsen, dann aus Prag. Als Bankverbindung für die geforderte Zahlung von zuerst 90, dann 125 und zuletzt 190 Euro wird erst die Dexia Bank (Konzernsitz Luxemburg) genannt, später die VUB Bank (Slowakei). Gewürzt mit der Drohung mit „negativem Eintrag und weiteren Maßnahmen!“
Wer im Internet nach Kaver Plus sucht, wird tatsächlich gleich Seitenweise fündig. Betroffene beklagen sich über rüde Methoden. Ein Fernsehteam wird in Fulda vor der Wohnung der angeblichen Inhaberin der damals noch unter MC Multimedia firmierenden Abzock-Firma von einem Mann tätlich angegriffen. Verbraucherzentralen überbieten sich mit Tipps.
So warnen Hamburgs Verbraucherschützer, Rechnungen ungeprüft zu bezahlen, die aus Petersberg stammen: Unabhängig davon, ob sie von TRC Telemedia, MB Direct Phone, Czech Media, Pepper United, Roxborough Management, neuerdings auch Bohemia Factoring oder Kaver Plus stammen. Die Niedersachsen empfehlen, zunächst zu prüfen, ob man ein Telefonat – vielleicht als Rückruf auf eine unbekannte Nummer – ausschließen kann. Kathrin Körber, Juristin der Verbraucherzentrale Niedersachsen: „Mit diesem geschickten Lockanruf hat sich das Unternehmen die Telefonnummer des Verbrauchers erschlichen, beruft sich dann mit Datum und Uhrzeit auf diesen Anruf." Die Juristin rät, in jedem Fall den Einzelverbindungsnachweis zu prüfen. Taucht die Telefonverbindung dort nicht auf, sollten Betroffene die Forderung per Einschreiben zurückweisen. Und die Firma auffordern, den Beweis für den angeblichen Vertrag zu erbringen.
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