Bürgerpreis Bergedorf
Er hat ein Herz für Einsame
Samstag, 24. Januar 2009 02:04
- Von Wiebke Schwirten
Bergedorf. Als Friedrich Bringmann (67) Anfang Januar nachfragte, ob unsere Zeitung noch etwas über das Weihnachtsessen im Lichtwarkhaus berichten könnte, da war die spontane Reaktion: "Wen interessiert das jetzt noch?" Eine halbe Gesprächsstunde später war klar: Das interessiert sicher viele. Denn es geht um mehr als ein Essen. Es geht um ganz viel Herz und ein beispielgebendes Engagement.
Dabei will Friedrich Bringmann gar keinen Rummel um seine Person, "aber die alten Leute und die Jagdhornbläser würden sich so freuen", sagt er bescheiden. Wer sein von Lachfalten durchzogenes Gesicht anschaut, der lächelt selbst, so ansteckend ist dessen positive Einstellung.

Foto: Wiebke Schwirten
Friedrich Bringmann (67) aus Escheburg sorgt seit 25 Jahren für das Weihnachtsessen im Lichtwarkhaus.
Anfang der 1990 Jahre dann der Umbruch. Der Vorstand der Jäger löste sich auf, das Engagement für das Altenessen versiegte. Doch nicht bei allen. Und hier beginnt spätestens die Geschichte von Friedrich Bringmann und seinen Freunden, die sich schon lange Jahre für das Essen engagierten.

Foto: BGZ
Heute verwandelt sich sein Zuhause in Escheburg regelmäßig vor Weihnachten in eine Großküche: Gut 36 Kilogramm Gulasch köcheln in riesigen Töpfen auf Gaskochern, die auf der Terrasse stehen. Ebenso werden für 120 Portionen Kartoffeln, Rotkohl, Pilze und Preiselbeeren hergerichtet. Für würzigen Pfiff sorgt der Fleischer, der lange Vertreter der Gewürzmittelfirma Herman Laue ("Hela Ketchup") war. Und auch Ehefrau Regina und Tochter Doris, die kräftig mit anpacken, sind als Ernährungsfachberaterin und Schlachtermeisterin vom Fach.
Das Wildbret stiften Bringmann und seine Jägerkollegen aus ihrem Jagdrevier in Mecklenburg-Vorpommern. Auch alles andere bezahlt die private Gruppe aus eigener Tasche. Der rührige Jäger kümmert sich auch um zünftige Musik: Er und seine Freunde vom "Jagdhornbläserchor Kreis Herzogtum Lauenburg West" spielen seit 25 Jahren Heiligabend im Lichtwarkhaus auf. Zuvor begleiten einige von ihnen regelmäßig in der St.-Severini-Kirche in Kirchwerder die Hubertusmesse. Dafür gibt es die Hälfte der Kollekte, die für das Altenessen verwendet wird.
Friedrich Bringmann ist mehr als "nur" der Organisator für das Essen, das dann fleißige Helfer der Awo auf den Tisch bringen, die auch noch einen Nachtisch spendieren. Er fühlt sich "seinen Alten" verbunden. Er bleibt, genießt mit seiner Familie und den Menschen im Lichtwarkhaus das leckere Weihnachtsessen. "Das ist einfach schön, diese Freude zu erleben", sagt er.
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