Sternwarte

Gute Laune im "namenlosen Café am Ende der Welt"

Bergedorf. Die Betreiberin des Besucherzentrums und des "Café Raum und Zeit" auf dem Gelaände der Sternwarte zieht nach einem Jahr eine erfreuliche Bilanz. Die Besucherzahlen entwickeln sich positiver alsprognostiziert. Und das trotz unverständlicher Restriktionen des Denkmalschutzes.

Andrea Klerman ist unverwüstlich. Anders wäre es wohl auch nicht möglich, dass die 43-Jährige nach dem ersten Jahr als Betreiberin des Besucherzentrums der Sternwarte samt „Café Raum & Zeit“ bereits eine positive Bilanz zieht. „Es läuft deutlich besser als erwartet. Statt zwanzig Besuchern kommen an jedem Wochenende im Durchschnitt über Hundert. Zudem haben wir zwei bis drei Geburtstage, Trauerfeiern oder Tagungen im Monat. Tendenz stark steigend“, sagt die Expertin für Veranstaltungsmanagement, die Anfang Dezember sogar das Büro ihrer Agentur event.net vom Hamburger Grindel auf die Sternwarte verlegt hat.

Doch der Erfolg kommt nicht von allein. „Ich arbeite hier 60 Stunden pro Woche. Und das ehrenamtlich. Denn noch wirft das Geschäft nicht genug ab, um neben meinen Mitarbeitern auch mich zu bezahlen“, sagt die Chefin, die zudem noch Dozentin für Veranstaltungsmanagement am Hamburger Sitz der Fachhochschule Mittweida ist. „Ich lebe von meiner Agentur, die unter anderem Großveranstaltungen im Planetarium organisiert. Man könnte sagen: Ich leiste mir mein Engagement auf der Sternwarte.“

Dass es so nicht bleiben kann, weiß eine studierte Volkswirtin wie Andrea Klerman natürlich genau. „Gewinne, also auch Geld für mich, gibt es bei solchen Projekten gewöhnlich erst im dritten Jahr. Vielleicht bin ich mit dem Besucherzentrum sogar schneller.“ Vorerst hat sie aber andere Themen im Auge. So wächst die halbe Stelle für die Bürokraft mit dem Jahreswechsel auf eine ganze. Zum Februar nimmt eine Auszubildende als Veranstaltungskauffrau hier ihre Arbeit auf. Und auch ein Teil der bisher fünf 400-Euro-Kräfte soll bald Festverträge erhalten.

Projekte, die darauf basieren, dass Andrea Klerman ihr Publikum in den neun Monaten seit der Eröffnung schon sehr gut kennengelernt hat. Mit interessanten Erkenntnissen: „Die Bergedorfer sind ganz anders als die Hamburger. Bei gutem Wetter oder gar an Feiertagen wie Ostern oder Pfingsten verirrt sich kaum jemand aus dem Bezirk hier auf die Sternwarte. Da bleiben die angereisten Hamburger fast unter sich. Bergedorfer sind eben Familienmenschen, die dann lieber daheim bleiben, statt lange Ausflüge zu machen. Ist das Wetter aber schlecht, strömen die Bergedorfer zu uns. Da muss man sich mit der Personalplanung erst mal gewöhnen.“

Weniger glücklich ist sie über die Erfahrungen mit dem Denkmalschutzamt: „Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich hier ein namenloses Café am Ende der Welt betreiben würde, ich hätte das nicht gemacht“, sagt sie mit Blick auf das Verbot eines Schriftzugs am Kuppelbau. Nicht einmal einen Briefkasten darf es geben. Und über ein Schild am Eingang zum Sternwarten-Park an der August-Bebel-Straße wird seit fast einem Jahr diskutiert – noch immer ohne Ergebnis.

Doch die unverwüstliche Andrea Klerman gibt natürlich nicht auf: „Wir werden uns schon einigen. Und irgendwann hat mein Café bestimmt sogar einen sichtbaren Namen“, ist sie sich sicher und lenkt den Blick auf vielleicht schneller Umsetzbares: Fahrradständer hätte sie gern, ebenso eine Beleuchtung entlang des Asphaltwegs bis zum Café, mehr Gartenstühle und eine einheitliche Kleidung für die Sternwarten-Führer. Das sind gewöhnlich Wissenschaftler des hier beheimateten Instituts für Astrophysik der Uni Hamburg oder Mitglieder des Sternwarten-Fördervereins, die jeden Sonnabend um 14 und 16 Uhr am Café zu ihren eineinhalbstündigen Führungen aufbrechen, sonntags zusätzlich um 12 Uhr.

Finanziert werden könnte das alles über Spenden, natürlich mit Klermans Unterstützung. Für Fragen und Ideen ist sie im Besucherzentrums unter (040) 47193140 zu erreichen. Dort werden auch alle Details zum sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffneten Café (wieder ab 5.?Januar) und zu den Führungen besprochen.

Nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich liegen zwei weitere Projekte, die der Popularität der Sternwarte allerdings gerade bei auswärtigen Besuchern sehr zuträglich wären: „Die Ausschilderung ist noch sehr dürftig. Warum stehen nicht schon an Bergedorfs zentraler Kreuzung Mohnhof Schilder? Oder gar an der Autobahn, wo ja auch auf die KZ-Gedenkstätte Neuengamme hingewiesen wird?“, fragt Andrea Klerman, die auch Bezeichnungen der Linienbusse Richtung Sternwarte gewöhnungsbedürftig findet: „Wer zu uns will, muss in den Bus zum Friedhof steigen. Das ist nicht gerade ein Lockmittel.“