Kirchwerder

"Geht zur Wahl, mischt euch ein"

Wahlkampf: Direktkandidaten diskutieren mit Jugendlichen - Windkraft und Fracking auf der Agenda

Es war für beide Seiten eine Premiere: Zum ersten Mal haben Bergedorfs Bundestags-Direktkandidaten auf dem Podium eines Jugendzentrums Platz genommen und erstmals hat das zentrale Organisationsteam im Juz Vierlanden so einen Abend auf die Beine gestellt. Die Politiker präsentierten sich quasi hautnah und waren begeistert von dem Engagement der Jugendlichen.

Moderiert von "bz"-Redakteur Ulf-Peter Busse stellten sich Metin Hakverdi (SPD), Dr. Herlind Gundelach (CDU), Manuel Sarrazin (Grüne), Sabine Boeddinghaus (Linke) und Dr. Kurt Duwe (FDP) den Jungwählern vor. "Ich wüsste jetzt schon eher, wen ich wählen würde, wer mir sympathisch ist und wer nicht. Der Abend hat der Politik ein Gesicht gegeben", sagte Mitorganisatorin Melissa Kleist (17) nach der zweistündigen Diskussionsrunde. Auch Besucherin Sabine Bendhaake empfand den Abend als Gewinn. "Vielleicht werde ich noch andere Wahlkampfveranstaltungen besuchen, um mich noch weiter zu informieren", sagte die interessierte 19-Jährige.

Das wichtigste Anliegen der Politiker war parteiübergreifend: "Geht zur Wahl, mischt euch ein."

Windkraft, Fracking, die Bildungslandschaft und die Kürzungen in der offenen Jugendarbeit waren Themen des Abends.

Einig war sich das Podium darin, dass die offene Jugendarbeit und die Ganztagsschule nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Konkret sei das Jugendzentrum Vierlanden nicht in Gefahr, geschlossen zu werden, versicherte Metin Hakverdi. Es solle nicht weiter im Bereich Jugendhäuser gekürzt werden. Konzens bei den Politikern: Offene Jugendarbeit und Ganztangsschulen müssten voneinander lernen, in ihrer Arbeit möglicherweise miteinander verschmelzen.

SPD-Kandidat Metin Hakverdi war als Vertreter der in Hamburg mit absoluter Mehrheit regierenden Sozialdemokraten bei den aktuellen Themen besonders gefordert. Der Bürgerentscheid in Sachen Windkraft, mit dem das Repowering von Windkraftanlagen auf bis zu 180 Meter abgelehnt wird, liegt der Hamburger SPD schwer im Magen. Zwar könnte sich die Bürgerschaft über die Empfehlung aus Bergedorf hinwegsetzen. Doch Metin Hakverdi sagte: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass da kein Kompromiss möglich sein soll."

Dr. Herlind Gundelach appellierte an eine länderübergreifende Lösung in der Metropolregion, empfindet die angestrebten Abstände zur Wohnbebauung als "unzumutbar". Grüne und Linke sind für das geplante Repowering, wollen aber den Bürgerwillen nicht einfach kassieren, setzen auf einen Kompromiss. "Demokratie ist eben anstrengend", sagte Sabine Boeddinghaus. "Sie lebt davon, dass auch Jugend sich einmischt."