Windenergie

"Sie opfern den Garten Hamburgs"

Tatenberg. Wenn es gegen das Aufstellen von bis zu 150 Meter, in Einzelfällen sogar 180 Meter hohen Windrädern vor ihren Haustüren geht, scheint das Engagement der Vier- und Marschländer keine Grenzen zu kennen.

Gestern trotzten sie dem Schneeregen und dem Reiz, lange auszuschlafen, um mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden der Hamburgischen Bürgerschaft, Dr. Andreas Dressel, über Repowering zu diskutieren. Der SPD-Distrikt Vier- und Marschlande hatte im Fährhaus Tatenberg zu einem Frühschoppen gebeten.

Knapp 30 Gegner der geplanten Windkraftanlagen waren im dunklen Clubraum erschienen, der auf Dressel wie die Höhle des Löwen gewirkt haben muss. Die Vier- und Marschländer präsentierten sich - wie bei allen Veranstaltungen zum Thema Windkraft - äußerst kritisch, verlangten von Dressel Klartext.

Doch der Politiker konnte lediglich erklären, dass Windenergie nicht nur im Bezirk Bergedorf ein Thema sein darf. Auch im Hafen müssen Anlagen aufgestellt werden. Dann könnten es doch weniger im Landgebiet sein, argumentierten die Besucher. "Schließlich ist das erklärte Ziel der SPD eine Verdoppolung der Leistung und nicht eine Verdreifachung", sagt Karsten Paulsen aus Ochsenwerder. Er fordert "menschenwürdige Lebensumstände" für sich und seine Nachbarn. Die neuen Windräder würden "das Landschaftsbild total verändern", ergänzt ein anderer Bürger. In den Plänen, die öffentlich zur Einsicht auslagen, seien die Bürgerwünsche nicht berücksichtig worden, "und Senatorin Blankau verkauft uns das als Kompromiss", lautet der Vorwurf eines weiteren Besuchers an die Sozialdemokraten. Die 15 geplanten Anlagen in Curslack würden bloß ein halbes Prozent des Hamburger Stromverbrauchs decken, meinte ein Kritiker. "Dafür werden die in einem Wasserschutzgebiet tief im Boden befestigt."

Bildlich verdeutlichte ein Teilnehmer des Frühschoppens seine Horrorvisionen: "Einige Windräder sind in der Narbenhöhe so hoch wie das halbe CCB. Hinzu kommt der Rotor mit einem 100-Meter-Durchmesser." Die anvisierten Höhen sollten nach unten geändert werden. "Die Investoren müssen uns in dieser Frage entgegenkommen." Doch die Windanlagen-Betreiber Jens Heidorn und Klaus Soltau (NET OHG), die ebenfalls erschienen waren, mussten die Anwesenden enttäuschen: Erst ab einer Narbenbenhöhe von 100 Metern seien Windräder hier wirtschaftlich. "Kleinere Anlagen werden von keiner Bank finanziert", sagt Heidorn. Doch die Menschen in den Dörfern haben dafür kein Verständnis: "Sie geben die Vier- und Marschlande, den Garten Hamburgs, preis als Industriegebiet für die Windkraft", sagt Willy Timmann.