Windkraft

Leistungsstärker, aber nicht höher

Bergedorf. Sie lassen sich keine Gelegenheit entgehen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen: So waren gut 100 Vier- und Marschländer der Einladung der CDU zu einer Diskussion ins Lichtwarkhaus gefolgt.

Der Abend stand unter dem Motto "Windkraft-Energie mit den Menschen und nicht gegen die Menschen". Als Gast präsentierten die Christdemokraten Dr. Herlind Gundelach (CDU), die von 2004 bis 2008 als Staatsrätin in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) die Suche nach weiteren Eignungsgebieten für Windkraftanlagen in Hamburg vorangetrieben hat. Zudem gehörte sie von 2008 bis 2011 als Senatorin für Wissenschaft und Forschung dem schwarz-grünen Senat an, der die elektrische Leistung von Windstrom auf 100 Megawatt verdoppeln wollte.

Aber nicht um jeden Preis, wie sich im Laufe des Abends herausstellte. So sei nicht akzeptabel, dass Hamburgs Bürger schlechter gestellt würden als die Naturschutzgebiete der Hansestadt. Während hier ein Mindestabstand von 1000 Meter eingehalten werden muss, können Windräder bis auf 500 Meter an Wohnsiedlungen heranrücken. Ähnlich verhält es sich mit dem Lärm. Die nächtliche Höchstgrenze von 40 Dezibel, die in Wohngebieten gilt, sollte auf Windräder übertragen werden - auch wenn sie im Außengebiet stehen. "Denn 40 oder 45 Dezibel sind ein himmelweiter Unterschied", sagte Gundelach.

Die CDU-Politikerin betonte, dass sie die Entscheidung, bis 2022 alle Atomkraftwerke abzuschalten, "grundsätzlich richtig" findet. "Vor dem Hintergrund, dass es noch immer keine Lösung für den Atomabfall gibt, haben wir kein Recht, solche Energie langfristig zu nutzen." Hamburg müsse sich um seine Versorgung aber keine Sorgen machen. Wenn das Kohlekraftwerk in Moorburg ans Netz geht, decke es 80 Prozent der Stromlast ab. "Die restlichen 20 Prozent aus erneuerbaren Energien haben wir jetzt schon", sagte Gundelach.

Deshalb plädiert die CDU-Politikerin dafür, in den Vier- und Marschlanden die kleineren Windräder zwar durch leistungsstärkere, aber möglichst gleich hohe zu ersetzen. Für Anlagen über 100 Meter Nabenhöhe kann sie sich ein "gemeinsames Vorgehen in der Metropolregion" vorstellen. Den Einwand des Betreibers Jens Heidorn, unter 100 Metern lohne sich die Investition nicht, ließ Olaf Grotheer nicht gelten. Der Windkraft-Beauftragte der CDU rechnete vor: Eine Anlage mit einer Gesamthöhe von 100 Metern kostet etwa 2,7 Millionen Euro. Bei einer Gesamthöhe von 150 Meter erhöhen sich die Kosten lediglich um zehn Prozent, der Ertrag steigt dagegen um 38 Prozent. "Worum geht es Ihnen", fragte Grotheer, "um Maximierung oder Optimierung?" "Es geht um die Realisierung", antwortete Heidorn. Dem Gros der Anwesenden ging es aber ausschließlich um eines: um Windkraft mit Augenmaß.