Tote identifiziert - Ehemann verhaftet

Von Timo Jann

Geesthacht.
Das Rätsel um die am Montagabend am Elbufer bei Geesthacht in einem Müllsack gefundene Tote ist gelöst: Am Donnerstagnachmittag wurde die Frau nach Hinweisen aus der Bevölkerung als eine 36 Jahre alte Hamburgerin identifiziert Die Hamburger Polizei konnte noch am Donnerstagabend einen Tatverdächtigen festnehmen. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um den Ehemann (35). Er selbst hatte die Frau im April bei der Polizei als vermisst gemeldet. Gestern wurde der Mann einem Haftrichter vorgeführt, der Haftbefehl wegen Totschlags erließ.

Zu den Hintergründen, wie und wo die 36-Jährige zu Tode kam, wollten sich Polizei und Staatsanwaltschaft gestern nicht weiter äußern. "Die Ermittlungen laufen und wir wollen diese nicht gefährden", erklärte Nana Frombach, die Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft. Die Tote wohnte zusammen mit ihrem Ehemann am Berner Heerweg im Hamburger Stadtteil Farmsen. "Wir gehen davon aus, dass die Frau in Hamburg getötet und in Geesthacht nur abgelegt wurde", so Nana Frombach.

Der Täter hatte die Leiche nach Informationen unserer Zeitung mit Klebeband gefesselt und dann in den blauen Plastikmüllsack gesteckt. Offenbar hat er sie mit einem Auto unmittelbar nach der Tat im April zu dem Parkplatz an der Elbuferstraße unweit des Kernkraftwerkes Krümmel gefahren und sie in dem Müllsack verschnürt im Gebüsch versteckt. Nach dem Fund am Montag war zunächst vermutet worden, dass der blaue Müllsack vielleicht durch das Frühjahrshochwasser der Elbe angespült worden war. Den Sack hatte ein Spaziergänger am Montagabend gegen 17.15 Uhr an der Böschung zwischen dem beliebten Elberadweg und dem Wasser entdeckt. Als er nachsah, entdeckte er die gefesselten Frauenbeine und rief die Polizei.

Stundenlang wurden am Fundort der Leiche Spuren gesichert, erst am Dienstag wurde die Leiche der nur 1,52 Meter großen Frau mitsamt dem Müllsack zur Obduktion in die Lübecker Gerichtsmedizin gebracht. Ebenfalls am Dienstag sicherten Polizisten in Tatortnähe zahlreiche Gegenstände, die ihnen Aufschluss auf den Täter geben könnten.

Fieberhaft versuchten die Ermittler der zunächst zuständigen Lübecker Mordkommission dann, die tote Frau zu identifizieren. Die Obduktion der Leiche hatte am Dienstag schließlich ergeben, dass die Frau durch "Beibringen stumpfer Gewalt am Oberkörper zu Tode kam", wie Polizeisprecherin Anett Dittmer mitteilte. Mit mehreren von der Polizei in die Öffentlichkeit gegebenen Fotos - darunter einem Bild des auf den linken Unterarm tätowierten Babyfußes mit dem Jahreszusatz 2010 - gelang es schließlich am Donnerstagnachmittag, die tote Frau eindeutig zu identifizieren.

Da die Beamten von einer Tat in Hamburg ausgehen mussten, gaben die Lübecker Ermittlungsbehörden den Fall schließlich an ihre Kollegen in Hamburg ab. Die reagierten schnell - und rückten bereits am Donnerstagabend am Berner Heerweg an, um die Wohnung der Frau zu durchsuchen und umfangreiche Spuren zu sichern. Schließlich nahmen sie den Ehemann fest und verhörten ihn.

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