Bergedorf

Windkraft: Kleine Anlagen beim Senat ohne Chance

Politik: Ausschussmitglieder informieren sich heute bei einer Experten-Anhörung

Hamburg will hoch hinaus. Vor dem Hintergrund der Energiewende soll der regenerative Strom aus Windkraft mehr als verdoppelt werden. So sieht ein Ausbauszenario nach dem Flächennutzungsplan künftig 54 bis 57 Windenergieanlagen im Stadtstaat vor, die eine elektrische Leistung von etwa 115 Megawatt (MW) erbringen. Zurzeit stehen in der Hansestadt 60 Windräder mit einer installierten Leistung von 54 MW.

Zwar betonte Karen Bruns vom Amt für Landes- und Landschaftsplanung bei einem Hintergrundgespräch in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), dass es erstmals eine Höhenbegrenzung für Windenergieanlagen (WEA) im Flächennutzungsplan gebe. Diese liegt für das Eignungsgebiet Curslack bei 180 Metern, für alle anderen Eignungsgebiete bei 150 Metern. Andererseits machte keiner der Behördenvertreter einen Hehl daraus, dass Anlagen mit einer Gesamthöhe von 100 Metern zu den Auslaufmodellen zählten - vor allem in einem Stadtstaat mit sehr begrenzter Fläche. "Eine 150 Meter hohe Anlage bringt rund 2,7 mal mehr Ertrag als ein 100 Meter hohes Modell", sagte Kerstin Walberg vom Amt für Natur- und Ressourcenschutz, "und eine 180 Meter hohe Anlage sogar 3,4 mal mehr Ertrag."

Nun gibt es zwar den Bürgerentscheid "Windkraft", bei dem sich im Juli mehr als zwei Drittel der Bergedorfer (Wahlbeteiligung 29,36 Prozent) für eine Höhenbeschränkung der Windräder auf 100 Meter und den bisherigen Mindestabstand zu Wohngebieten aussprachen. Er hat aber nur die Wirkung eines Beschlusses der Bezirksversammlung, in diesem Fall mit empfehlendem und nicht mit bindendem Charakter für Senat und Bürgerschaft.

"Wir haben ob des Bürgerentscheids noch einmal innegehalten und sind zu kleinen Änderungen gekommen", sagte Staatsrat Holger Lange. Konkret kamen dabei aber lediglich geringfügige Modifizierungen in den Eignungsgebieten Ochsenwerder und Neuengamme heraus. So wurden in Neuengamme der mittlere und östliche Streifen verschoben, um überall den 500-Meter-Abstand zwischen Eignungsgebiet und Wohnbebauung einzuhalten.

Professor Dr. Werner Beba, Leiter des Competence Centers für Erneuerbare Energien und Energie-Effizienz der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, das bereits mit dem Bau des Technologiezentrums "Energie-Campus" in den Schleusengärten begonnen hat, mag sich die "Verspargelung der Landschaft", zu der die Höhenbeschränkung führen würde, gar nicht vorstellen: "Dann würden in Curslack 17 statt der geplanten fünf Anlagen stehen." Er wie auch die Vertreter der BSU "hoffen auf den Beschluss der Bürgerschaft noch in diesem Jahr".

Die Mitglieder des Stadtentwicklungs- und des Umweltausschusses sind heute zur Expertenanhörung eingeladen. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr im Hamburger Rathaus, Raum 151. Eine Woche später, am Donnerstag, 28. November, treffen sich die Ausschussmitglieder zur Senatsbefragung.