Sondersitzung

Heftiger Widerstand gegen Fracking-Pläne

Bergedorf (wi). Getreu dem Motto "Wehret den Anfängen" formierte sich Widerstand zur Sondersitzung des Regionalausschusses zum Thema "Fracking in den Vier- und Marschlanden".

Die "Bürgerinitiative Frackingfreies Hamburg" hatte zur Demonstration aufgerufen, der sich mehr als 100 Gegner des umstrittenen Gas- und Ölförderverfahrens anschlossen. Sie stießen am Freitagabend im Lichtwarkhaus auf weit mehr als 100 Abgeordnete und Bürger, die ebenfalls alarmiert sind, seit bekannt wurde, dass es eine "Aufsuchungserlaubnis für Kohlenwasserstoffe" gibt, die sich über weite Teile des Bezirkes erstreckt. Beantragt wurde sie bereits 2011 von der BEB Erdgas und Erdöl GmbH - jeweils zur Hälfte eine Tochterfirma der Mineralölkonzerne Shell und Exxon Mobil.

Zwar versicherte Jens von den Eichen vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), dass diese Erlaubnis lediglich zur Auswertung vorhandener Daten berechtige. Dass deren Ergebnisse aber zur Planung einer Explorationsbohrung führen, konnte auch er nicht gänzlich ausschließen. Klaus Torp von Exxon Mobil bestätigte, dass es bis Ende 2015 - solange gilt die Aufsuchungserlaubnis - "keine seismischen Untersuchungen, keine Bohrungen und keine Fracking-Maßnahmen" geben wird. Aber: "Wir sind angetreten, um etwas zu finden", sagte Torp.

Im Idealfall für den Konzern wäre das eine neue Lagerstätte mit Gasvorkommen. "Dann würden wir eine Erkundungsbohrung beantragen", sagte Torp, "die aber frühestens 2017 starten würde." Abhängig von den Ergebnissen wollte er für diesen speziellen Fall auch eine "Fracking-Behandlung" nicht ausschließen.

"Dafür wäre aber ein Betriebsplanverfahren erforderlich", machte von den Eichen deutlich - die nächste Stufe nach dem jetzt gelaufenen Erlaubnisverfahren. Und dafür seien erneut die Hamburger Behörden nicht nur zu informieren, sondern auch zu beteiligen. So hatte sich die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) schon mit dem ersten BEB-Antrag "intensiv auseinandergesetzt", wie deren Vertreterin Renate Taugs erklärte. "Zwar halten wir die Auswertung und Analyse von Bohrkernen et cetera für fachlich sinnvoll", sagte Taugs. Ihre Behörde habe aber auch darauf aufmerksam gemacht, dass sich das Erlaubnisfeld mit Trinkwassergebieten sowie Natur- und Landschaftsschutzgebieten überschneide. Andere Bereiche wiederum sehr dicht bebaut seien.

Was die Fachaufsicht des LBEG, die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), nicht davon abhielt, der Erlaubnis zuzustimmen. Aus Sicht des Senates sei es sehr unwahrscheinlich, "dass wir in Hamburg Fracking erleben werden", sagte Rüdiger Hintze von der BWVI. Zu viele Belange wären aus dem Weg zu räumen. Da sind Abgeordnete und Bürger skeptischer.

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