25 000 Gäste

Sternwarte: Bürokratie macht Besucherzentrum zu schaffen

Bergedorf. Eigentlich ist Andrea Klerman ein Glücksfall für die Sternwarte: Als erfolgreiche Wirtin des "Café Raum & Zeit" sichert sie den Betrieb des Besucherzentrums im umgebauten 1-Meter-Spiegel auf dem Gelände und ist damit ein wichtiger Faktor für die Bewerbung des Observatoriums auf dem Gojenberg als Weltkulturerbe.

Denn diese Belebung des Areals ist eine Bedingung der Unesco, die den Titel vergibt.

Doch auch knapp zwei Jahre nach der Eröffnung fühlt sich die Gastronomin oft als Fremdkörper im malerischen, 100 Jahre alten Sternwartenpark - als Wirtschaftsbetrieb zwischen Forschern, Kulturschaffenden und Denkmalschützern. "Ich mache das hier zwar aus Überzeugung und weil ich mich vom ersten Augenblick an in diesen Ort verliebt habe", gesteht die 45-Jährige, die auch eine Eventagentur betreibt. "Aber auch wenn es mir nicht in erster Linie um Geld geht, so muss sich mein Engagement mittelfristig doch rechnen. Das wird hier nicht immer von jedem verstanden."

Konkret müssen die derzeit etwa 25 000 Besucher pro Jahr und die teils bis in die Nacht laufenden Geburtstags- oder Firmenfeiern im Besucherzentrum von manchem forschenden Astrophysiker der Sternwarte erst noch akzeptiert werden. Zudem wird Andrea Klerman vom Denkmalschutzamt in Atem gehalten: "Ich darf bis heute keinerlei Werbung am Gebäude anbringen. Noch nicht mal ein kleines Schild mit den Öffnungszeiten neben dem Eingang zum Café", bedauert sie - und wundert sich, dass ein anderes Schild genehmigt wurde: Seit Oktober ist genau an dieser Stelle zu lesen, welche Stiftungen die Sanierung des 1-Meter-Spiegels von 2008 bis 2010 finanziert haben.

"Ich habe den Eindruck, hier wird mit falschem Maß gemessen", sagt die Gastronomin. "Es ist zwar richtig, dass seinerzeit ein mittlerer sechsstelliger Betrag ins Gebäude geflossen ist. Aber den laufenden Betrieb des Besucherzentrums finanziere ich über das Café." Tatsächlich betreibt sie das Büro, sorgt für die Erreichbarkeit, trägt die Versicherungen, erledigt die Buchhaltung und finanziert die Führungen, die jedes Wochenende um 14 und 16 Uhr sowie sonntags zusätzlich um 12 Uhr am Besucherzentrum starten.

Doch nicht nur hier hakt noch einiges. Auch die Ausschilderung, der Bus-Anschluss und nicht zuletzt die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Hamburger Museen bereiten Andrea Klerman Kopfzerbrechen.

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