Windräder

Energie-Campus: HAW will Zukunft nach Bergedorf holen

Bergedorf. Der Begriff Energie-Campus lässt Blütenträume von Hightech und Forschung sprießen. Was HAW-Professor Werner Beba Bergedorfs Stadtplanungsausschuss präsentierte, überraschte neben den Bezirkspolitikern auch anwesende Vertreter der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU):

Als Teil des geplanten Energie-Campus' am Schleusengraben möchten Beba und Mitstreiter südlich der Autobahn 25 (nördlich Wasserwerk Curslack) fünf große Windräder bauen. Bislang waren für das Areal nur drei kleinere Anlagen im Gespräch.

Die Zukunft gehöre den erneuerbaren Energien, die Zahl der Arbeitsplätze in dem Sektor werde auf bis zu 900 000 emporschnellen: Allein die Windkraft müsse in Deutschland bald die Hälfte der erneuerbaren Energien decken, warb der Direktor des "Competence Center für erneuerbare Energien". Vorgesehen sind ein Seminargebäude und ein Windlabor (zusammen 500 Quadratmeter für etwa 3 Mio. Euro) in Nachbarschaft des Laserzentrums. Dazu könnten in einem zweiten Schritt ein Forschungszentrum für intelligente Stromnetze, ein virtuelles Kraftwerk und ein Batterieprüflabor kommen (weitere 500 Quadratmeter, 2,5 Mio. Euro). Denkbar ist laut Konzept zudem ein Bioenergiezentrum mit 3000 Quadratmetern für bis zu 13 Millionen Euro.

Die Einnahmen aus den neuen Windrädern sollen helfen, dieses Zukunftsprojekt für "Forschung und Lehre in unmittelbarer Nähe zu Windenergieanlagen zu finanzieren", erläutert Beba. Zu dem Zweck plane die HAW "mit kompetenten Partnern" wie Hamburg Energie und Windradhersteller Vestas eine Projektgesellschaft, die "Stiftung Windenergie".

Bebas Hoffnung auf ein Votum der Bergedorfer Politik zugunsten des Energie-Campus erfüllte sich zunächst nicht. "Wir hören heute erstmals von Überlegungen für 3-Megawatt-Windräder, unsere bisherigen Analysen beziehen sich auf 2-MW-Anlagen", warnte Karen Bruns, Fachfrau der BSU. Jedoch gebe die geplante Änderung des Flächennutzungsplans keine Höhen vor, weise nur Flächen aus.

Werner Omniczynski (SPD) sah die Chance: "Wenn hier statt drei Windrädern mit zusammen sechs MW tatsächlich fünf mit dann 15 MW gebaut würden, könnte im Gegenzug die Zahl in Ochsenwerder doch reduziert werden." Anders als an mehreren Standorten im Landgebiet lebten zwischen Autobahn und Wasserwerk Curslack keine Menschen, die durch Geräuschentwicklung und Schattenwurf gestört würden.

"Ist dieser Vorstoß nicht nur ein Vehikel, um an diesem Standort fünf statt der bislang geplanten drei Windräder unterzubringen?", äußerte Bernd Capeletti (CDU) Zweifel. Weitere Christdemokraten wandten sich grundsätzlich gegen höhere Windräder, ob 100 Meter (2 MW) oder 112 Meter (3 MW).

Die GAL setzt, anders als ihr vormaliger Koalitionspartner, weiter auf den gemeinsam geplanten Ausbau der Windkraft. Dass Prof. Beba als möglichen Alternativ-Standort Harburg ins Gespräch brachte, sieht Annette Vollmer gelassen: Eine räumliche Verzahnung von Energie-Campus und Windrädern sei nur in Bergedorf möglich. "Die anderen möglichen Standorte, Wilhelmsburg-West und der Huckepackbahnhof Rothenburgsort, bieten weitem nicht die Möglichkeiten." Seite 18