Tschernobyl-Katastrophe

Geesthacht wird Zentrum für AKW-Proteste

Geesthacht (kl). Während die Japaner weiter gegen den Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima kämpfen, formiert sich in Deutschland verstärkter Protest gegen die Kernenergie. Aktivisten von Greenpeace projizierten am frühen Montagmorgen den Schriftzug "Das Lügen geht weiter" an das Atomkraftwerk Krümmel in Geesthacht und an die sieben ältesten Atommeiler in Deutschland.

"Es ist eine Lüge, wenn die Bundeskanzlerin behauptet, deutsche Atomkraftwerke seien die sichersten der Welt. Und es ist auch eine Lüge, dass Atomkraft eine unverzichtbare Brückentechnologie ist", sagt Tobias Riedl von Greenpeace. Das dreimonatige Moratorium der Bundesregierung sei nur mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen verordnet worden. Zudem zeige eine Studie, die der ehemalige Leiter der Bundesatomaufsicht, Wolfgang Renneberg, für Greenpeace erstellte, dass Atomkraftwerke als Grundlastkraftwerke zu unflexibel seien. Sie könnten Schwankungen nicht ausgleichen, die künftig entstehen würden, wenn verstärkt erneuerbare Energien ins Netz eingespeist würden. "Starke Regelschwankungen und Abschaltungen belasten die Reaktoren und erhöhen dadurch das Sicherheitsrisiko weiter", so Tobias Riedl. Atomkraftwerke seien darum als Brückentechnologie ungeeignet.

Die Proteste gehen weiter: Atomkraftgegner planen auch zum 25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe (26. April) zahlreiche Aktionen in Geesthacht schon am 25. April (Ostermontag). Ein breites Bündnis aus der Elterninitiative Geesthacht, der Bürgerinitiative Bergedorf, dem Lüneburger Aktionsbündnis, Bund für Umwelt und Naturschutz und Grünen hat sich dafür zusammengefunden.

Das vorläufige Programm: Den Auftakt macht am Ostermontag, 25. April, um 11.55 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto "Aus bleibt Aus" auf dem Parkplatz vor dem Atomkraftwerk. An der Einfahrt zum Info-Pavillon, beginnt um 13 Uhr ein Mahn-Gottesdienst. "Kehrtwende" heißt es um 14 Uhr, wenn ein gemeinsamer Gedenkzug auf der Elbuferstraße zum Menzer-Werft-Platz führt. Dort wollen die Atomkraftgegner bis etwa 17 Uhr ein fantasievolles Fest feiern. "Das Motto ist 'Einfach leben' im doppelten Sinne", sagt Bettina Boll vom Organisationsteam.

Jeder kann mitmachen und seine Ideen an melden

Landwirte aus der Region werden gesunde Produkte anbieten, dazu gibt es handgemachte Musik, die ohne Strom und Verstärker auskommt. "Jeder kann mitmachen und noch Ideen anmelden und umsetzen", so Bettina Boll. Das gilt auch für eine Aktion mit Mahnmalen gegen die Atomenergie auf dem Rathausplatz. Mit dem Aufbau können Teilnehmer bereits eine Woche vor dem Tschernobyl-Tag, ab dem 18. April, beginnen, die Mahnmale dürfen anschließend bis zum 2. Mai stehen bleiben.

Anmeldung und Information zu dieser Aktion sowie zum Fest "Einfach leben" bei Bettina Boll, Telefon (0 41 52) 56 69. Das endgültige Aktionsprogramm soll am Donnerstag, 24. März, festgelegt werden. Dann treffen sich um 19 Uhr alle Gruppen im KulturForum, Serrahnstraße 2, in Bergedorf.

Unterstützung erhalten die Atomkraftgegner vom Forum "Unternehmen gegen Atomkraft": Der

Zusammenschluss von Firmeninhabern und Belegschaften lädt bereits im Vorfeld des Tschernobyl-Jahrestages zu Lesungen vor dem Atomkraftwerk Krümmel ein - und hat dazu hochrangige Prominente verpflichtet. Am Sonnabend, 9. April, um 19 Uhr liest Nina Hagen aus ihrem Buch "Bekenntnisse" und zusammen mit Sabine Brosowski von der Bürgerinitiative Leukämie über "Leben und Widerstand im Risikogebiet". Am Sonntag, 10. April, um 11 Uhr kommt Nobelpreisträger Günter Grass nach Krümmel. Er liest unter anderem eine seiner Erzählungen aus "Mein Jahrhundert", in der es um einen Hausbesitzer geht, der im heimischen Garten einen Atombunker baut.

Anschließend diskutiert Grass mit dem langjährigen Chefredakteur des Deutschlandfunks, Rainer Burchardt.

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