Ideensuche

Neue Einnahmequellen sollen die Fähre Siebeneichen retten

Siebeneichen (pas). Mit dem Frühlingswetter kommen sie heraus: die Wanderer, Tagesausflügler und Radler. Einen, freut das besonders, denn Harald Richter ist Fährmann in Siebeneichen.

Bereits seit Karfreitag wartet er im Wechsel mit seinem Kollegen Rainer Müller in einem Wohnwagen am Elbe-Lübeck-Kanal auf Kundschaft, die nach Fitzen übersetzen möchte. Doch außer ein paar Fußgängern und Autofahrern aus dem Dorf haben sich während der langen Kälteperiode noch nicht viele zum Fähranleger gewagt. Das wird jetzt anders: "Mit dem guten Wetter kommen auch die Touristen", ist Harald Richter sicher. Und die sind schließlich die Hauptkunden der Seilfähre und des Fährtaxis, einem Ruderboot, das neben der Autofähre liegt.

Doch so sehr sich der Fährmann auch auf die verspätet startende Saison freut, eine Unsicherheit begleitet ihn: Wie geht es weiter mit der Seilfähre, die seit 1900 Menschen, Fahrzeuge und Lasten über den Kanal bringt? "Bis 2016 ist der Betrieb gesichert", sagt Martin Voß, der Amtsvorsteher Büchens. Dann läuft der Vertrag zwischen dem Amt Büchen und der Stiftung "Fähre Siebeneichen" aus.

Mit 33 000 Euro im Jahr, einem Teil des von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung eingezahlten Stiftungskapitals, bezuschusst die Stiftung den Fährbetrieb im Moment. Das Amt Büchen gibt etwa 10 000 Euro im Jahr dazu. Die Einnahmen aus den Überfahrten reichen alleine nicht aus, um den Betrieb zu sichern. Da alle Gemeinden sparen müssen, könnten Siebeneichen und Fitzen also nach 2016 ihr touristisches Highlight verlieren. Keine schöne Vorstellung für Martin Voß. "Die Fähre ist ein wichtiger touristischer Anziehungspunkt", betont er.

Um das Aus zu verhindern, hat das Amt Büchen mit der Tourismus-Agentur HLMS Ideen entwickelt, die der Fähre Geld bringen sollen. "Zum einen wollen wir uns um Werbung und Sponsoren bemühen", erklärt Voß. So könnte die Fähre zum Beispiel ihre Innen- und Außenwände für Werbebanner vermieten. Events und Veranstaltungen rund um den Elbe-Lübeck-Kanal sollen außerdem mehr Touristen auf die Fähre locken. Zur nächsten "Kunst am Kanal"-Aktion ist ein Theaterstück auf der Fähre geplant. Eine weitere Idee ist, das Angebot der Fähre zu erweitern. "Wir überlegen, hier am Fährhaus auch einen Servicestützpunkt für Räder anzubieten", so Voß. Außerdem wird Fährmann Richter auch weiterhin Eis gegen Spenden verkaufen. "Das läuft gut. Dadurch sind im letzten Jahr etwa 1300 Euro zusammengekommen, die in den Betrieb der Fähre fließen", erzählt der Fährmann.

In dieser Saison wurden außerdem die Fährpreise angehoben. Statt einem Euro zahlen Erwachsene jetzt 1,50 Euro. Ein Auto samt Fahrer wird für drei Euro über den Elbe-Lübeck-Kanal gebracht. Harald Richter hofft sehr, dass all diese Maßnahmen Erfolg haben, dass aus den 6000 bis 7000 Menschen die er pro Jahr mit der Fähre transportiert noch ein paar mehr werden und er sich auch nach 2016 noch Fährmann von Siebeneichen nennen darf.

Wer mit der Seilfähre zwischen Siebeneichen und Fitzen übersetzen will, kann das bis Ende Oktober dienstags bis sonntags zwischen 9 und 19 Uhr tun.

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