Totschlag

Leiche im Kofferraum: Jetzt Anklage

Glinde. Vor Gericht muss sich jetzt ein 24-jähriger Glinder verantworten, dessen Tat die ganze Stadt geschockt hat. Am 19. März wurde die Leiche von Horst O. im Kofferraum eines in einer Tiefgarage abgestellten Fahrzeugs gefunden.

Die Alarmanlage des Autos war angesprungen, Anwohner riefen genervt die Polizei. Die entdeckte wenig später den stark verwesten Leichnam im Kofferraum.

Jetzt geht die Staatsanwaltschaft Lübeck davon aus, den Tod von Horst O. aufgeklärt zu haben: Am 26. Dezember 2011 hat demnach der 24-jährige Glinder Henning K. den Hamburger Horst O. (73) auf den Parkplatz des Friedhofs in Oststeinbek gelockt. Er wollte mit ihm gegen Bezahlung Sex haben. Henning K. hatte Horst O. zuvor versprochen, noch einen 16-Jährigen für ihre sexuellen Spiele mitzubringen. Der allerdings war erfunden.

Horst O. gab sich auch mit Henning K. zufrieden. Schließlich unterhielten beide schon seit Längerem eine intime Beziehung. Sie hatten sich im Internet kennengelernt. Doch diesmal wollte Henning K. nicht mehr mitspielen. Nachdem Horst O. in sein Auto gestiegen war, eröffnete er ihm, dass er die Beziehung zu dem 49 Jahre älteren Mann beenden wolle.

Davon wollte Horst O. aber nichts wissen. Der 73-Jährige bedrängte Henning K. Beide gerieten in Streit, die Situation eskalierte: Henning K. griff nach einem Zimmermannshammer auf dem Rücksitz und schlug zu. Mit sechs Hieben auf den Kopf tötete er seinen Geliebten.

"Nach der Tat versuchte Henning K., die Leiche zu beseitigen", sagt Oberstaatsanwalt Werner Spohr. Zuerst versuchte er, Horst O. zu vergraben, dann zu verbrennen. Am Ende legte er den Toten in den Kofferraum von dessen Auto. Den Wagen, stellte er später in der Tiefgarage der Wohnanlage am Weg an der Gutsmauer ab.

Einen Tag nach der Tat entdeckte ein Passant auf dem Parkplatz die Brille und das Gebiss von Horst O. sowie eine Blutlache. Der Polizei gab der Fund damals Rätsel auf. Doch erst drei Monate später wurde der Leichnam entdeckt. Henning K. wurde einen Tag später festgenommen - er hatte den Stellplatz auf seinen Namen angemietet.

Der Glinder hat die Tat inzwischen gestanden, die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage wegen Totschlags vor dem Landgericht Lübeck erhoben. Totschlag wird mit einer Freiheitsstrafe zwischen fünf und 15 Jahren bestraft. Zudem muss sich Henning K. wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften in neun Fällen verantworten. Auf die Bilder war die Polizei während einer Wohnungsdurchsuchung gestoßen.

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