Vereine

Diese Hilfe kommt seit 25 Jahren an

Bildungsmöglichkeiten für Jungen und Mädchen sowie berufsvorbereitende Kurse sind heute Kern der ehrenamtlichen Arbeit.

Begonnen hat alles mit einer touristischen Reise 1983 nach Pakistan. Die heute 85-jährige Ursula Nölle fuhr damals mit Tochter Karen nach Pakistan, um die zweite Tochter Christine zu besuchen, die Orientalistik studierte und in Lahore die Sprache des Landes erlernte. "Das war die erste Reise in meinem Leben ohne meinen Mann", erinnert sich die Oststeinbekerin. Aus dem Touristen-Trip mit umgehängter Kamera wurde schnell eine Bildungsreise ganz besonderer Art. "Unser Weg führte uns auch an die Grenze zu Afghanistan. In Peshawar schließlich besuchten wir amerikanische Freunde meiner Tochter, die in einem Flüchtlingslager arbeiteten", erzählt Nölle. Dort lernte sie die junge Lehrerin Nazaneen Jabarkhil kennen, die Kinder aus dem Lager zu sich nach Hause holte, um sie zu unterrichten. "Ein Schreibblock war für die Jungen und Mädchen alles, sie waren so stolz darauf", sagt Nölle. "Ich hatte Tränen in den Augen."

Aus diesem Erlebnis heraus entstand der Gedanke, den Kindern Bildungschancen zu eröffnen, indem man den Bau von Schulen in den Lagern selbst unterstützte. "Im Flugzeug zurück nach Deutschland habe ich schon die ersten 50 Mark bei einer Passagierin eingeworben", sagt Nölle lachend. Zwei Monate später konnte sie 800 Mark nach Peshawar schicken. Und noch im selben Jahr wurde die erste Schule in dem Flüchtlingslager gegründet. "Es war eine Mädchenschule, weil die kaum Zugang zu Bildung hatten", so Nölle.

1984 folgte die Vereinsgründung - aus einem ganz pragmatischen Grund: "Wenn man Geld einwerben will, muss man eine Spendenbescheinigung ausstellen können", erklärt die heutige Ehrenvorsitzende. Seit 1988 - der Abzug der sowjetischen Armee hatte gerade begonnen - ist der Verein Afghanistan-Schulen in dem Land am Hindukusch aktiv. Zurückkehrende Flüchtlinge baten um Hilfe beim Wiederaufbau der Schulen in ihrem Heimatdorf. "Die kannten unsere Arbeit ja aus den Lagern in Pakistan", sagt Nölle. So wurden mit finanzieller Unterstützung des Vereins zunächst zwei Dorfschulen aufgebaut, 1993 folgte eine dritte. Bis heute sind 35 Schulgebäude errichtet, acht weitere saniert worden. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser zu verbessern, finanziert der Verein mittlerweile auch den Bau von Brunnen und Wasserbecken.

Insgesamt 5,4 Millionen Euro sind in den vergangenen 25 Jahren in Projekte geflossen - eine beachtliche Summe für solch einen kleinen Verein. "Man hat immer so viel zu tun, dass man das Große und Ganze nicht immer im Blick hat", sagt Marga Flader, seit 2003 Vorsitzende des Vereins. "Wenn man aber da ist und sieht, wie viele Schulen es sind, dann spürt man: Wir bewegen doch etwas."

* Das Jubiläum feiert der Verein am Freitag, 4. September, von 19.30 bis 21 Uhr mit einem Festakt im Metropolis-Kino in Hamburg, Steindamm 52-54. Und am Sonnabend, 5. September, steigt ab 19.30 Uhr das Jubiläumsfest im Kulturhof Dulsberg, Alter Teichweg 200.

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