Bergedorf

Wahlkampf-Start durch die Hintertür

SPD: Olaf Scholz macht im Gespräch wichtige Themen deutlich

Die 230 Stühle im Saal des Lichtwarkhauses waren voll besetzt. Wer am Donnerstagabend auch nur fünf Minuten zu spät an der Holzhude ankam, musste die folgenden anderthalb Stunden im Stehen verfolgen. Denn das Interesse am Besuch des Ersten Hamburger Bürgermeisters war groß. Pünktlich um 19.30 Uhr enterte Olaf Scholz das Podium, von dem aus er "ausdrücklich keinen Wahlkampf machen wollte".

Allerdings startete er dann doch mit einer halbstündigen Rede, bei der er wichtige Partei-Themen wie die Aufnahme von Flüchtlingen, verstärkten Wohnungsbau, Förderung der Bildung von Kindern und Forschung oder Elbvertiefung zur Sprache brachte. Das blieb auch den aufmerksamen Zuhörern nicht verborgen, die diesen Wahlkampf durch die Hintertür zugleich anprangerten. Doch Olaf Scholz ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen: "Es gibt ja auch was Gutes zu erzählen", antwortete er schmunzelnd. Schließlich kann er auch relativ gelassen in den Wahlkampf für die Bürgerschaftswahl am 15. Februar 2015 starten, der nach Weihnachten und Neujahr so richtig Fahrt aufnehmen soll. Denn eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Hamburger Abendblattes sieht in dieser Woche Olaf Scholz unangefochten an der Spitze und die SPD mit 45 Prozent nahe der absoluten Mehrheit.

Im Lichtwarkhaus gab es vor dem Wahlkampf-Stress noch einmal die Gelegenheit, direkt mit dem Bürgermeister ins Gespräch zu kommen. Und die Fragen und Anliegen der Bürger waren vielseitig: Die Kritik an der Erhöhung der Windkraftanlagen kam ebenso zur Sprache, wie ein zu strenges Hundegesetz oder Arbeitsmarktchancen für Migranten. Die Kritik an den P+R-Gebühren werde sich mit der Zeit legen, meinte Scholz. Und auch die Elbvertiefung sei nur noch eine Frage der Zeit. Die hohe Zahl der Flüchtlinge bleibe eine Herausforderung: "Aber wir haben im Grundgesetz genau festgelegt, wer Asyl bekommen kann. Und diese Menschen haben es verdient, dass wir ihnen Schutz gewähren."