Bergedorf

Wie aus altem Papier eine elegante neue Tasche wird

Kunst Silke Janssen (61) webt auch mit Materialien wie Plastik und Folie

Könnten ihre Handtaschen eine Geschichte erzählen, dann wäre es wohl ein Roman. Auch die Tischsets oder Schals, die in der Web-Werkstatt von Silke Janssen am Glindersweg ausgestellt sind, könnten von einer bewegten Vergangenheit berichten. Denn die 61-jährige Künstlerin webt ihre Produkte aus ungewöhnlichen, recycelten Materialien: Alte Zeitungen oder anderes Papier, ausrangierte Plastiktüten oder auch mal die Silberfolie einer Tafel Schokolade landen zu feinen Fäden gesponnen in ihrem Webstuhl. Einige Arbeitsstunden später sind daraus Taschen oder Sets geworden, die erstaunlich fein und dennoch robust wirken.

"Ich habe mir schon bewusst eine Nische gesucht", sagt die Bergedorferin, die seit 2004 selbstständig ist. Begonnen hatte alles als Hobby: 1986 begann sie eine Web-Ausbildung in Lüneburg, als ihre drei Kinder klein waren und der Job als Ökotrophologin ruhte. Doch das Hobby wurde zur Profession; 1998 legte sie ihre Gesellenprüfung ab, richtete sich schließlich daheim eine eigene Werkstatt ein und machte sich selbstständig. Und immer mehr wich sie von den üblichen Webmaterialien ab und entdeckte die Liebe zu Papier, Plastik oder Folie.

"Papier ist leicht und trotzdem stabil, und es ist nachwachsend", sagt die Künstlerin. "Es ist aber auch ein störrisches Material - man muss es bändigen können." Es gibt viele unterschiedliche Papier-Garne ("Shifu-Garne"), härtere und weichere. Manche kauft Silke Janssen ein. Doch sie greift auch selbst zur Schere, schneidet aus Zeitungen einen Endlosfaden, dreht ihn zu Papiergarn. Ähnlich verfährt sie mit Plastiktüten oder auch mal einer Silberfolie. Aufwendig ist auch das Anbinden der Fäden im Webstuhl.

So haben die Produkte zwar ihren Preis (Tischset: um 28 Euro) - doch jede Tasche, jeder Schal ist auch ein individuelles Kunstwerk. Viele Stücke sind Maßanfertigungen. Ob rot, blau, schwarz: Die 61-Jährige experimentiert viel mit Farben, bleibt aber immer einer klaren Linie treu.

Interessierte können sich selbst ein Bild machen: Ab 28. November ist die Bergedorferin bei der Messe "Kunst und Handwerk" im Museum für Kunst und Gewerbe am Steintorplatz dabei.

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