Travemünde

Mit Kunst gegen den Picknick-Müll

Installation des Bergedorfer Bildhauers Jan de Weryha verwirrt Ausflügler am Travemünder Strand

Die Ausflügler schieben ihre Fahrräder ganz dicht an den Abhang der Steilküste, damit sie besser sehen können. "Was ist das nur da unten? Sind das alles Vogelnester?" Das Ehepaar 50 Meter weiter unten hat einen besseren Blick. Doch weshalb der Ostseestrand am Brodtener Steilufer mit Hunderten weißen Papptellern übersät ist, können auch sie sich nicht erklären. "Das war sicher eine spirituelle Messe irgendeiner Sekte", vermutet der Rentner, seine Frau schüttelt ungläubig den Kopf.

Der in Bergedorf lebende, international bekannte polnische Bildhauer Jan de Weryha hat am Wochenende Touristen und Spaziergänger am Strand westlich von Travemünde mit einer schrägen Kunstinstallation verwirrt. Mit 15 seiner Kunstschüler, viele davon aus dem Bildhauerkursus der VHS in Lohbrügge, hat der Künstler einen Strandabschnitt mit 1200 Papptellern "gedeckt" und diese mit angeschwemmten Miesmuscheln beschwert. "Ich bringe mit dieser Land-Art-Installation ein naturfremdes Material an den Strand", erklärt Jan de Weryha: "Die Teller werden von den Strandbesuchern als Fremdkörper und damit als störend empfunden." Die Installation solle die Ausflügler ermahnen, nach einem Picknick oder abendlichem Grillen ihren Müll auch wieder mit nach Hause zu nehmen.

Ebenso taten es die Künstler. Nach der mehrstündigen Aufbauphase dokumentierten sie die Installation mit Fotos und Videos und sammelten dann ihre Teller wieder ein. "Land-Art ist vergänglich", erläutert Jan de Weryha. Eigentlich arbeitet man dabei nur mit in der Landschaft vorhandenen Materialien. "Die Natur erobert sich am Ende die Kunstwerke zurück. Wenn der Mensch aber etwas in die Natur mitbringt, muss er es auch wieder entsorgen."

Die Beobachter reagierten neugierig, aber oft verständnislos auf das Projekt, eines von 50 im Rahmen der Lübecker "Aktionstage Artenvielfalt erleben". Mit vielen Neugierigen kamen die Macher ins Gespräch. "Ja, wir wollten provozieren", gibt Jan de Weryha zu. Das sei mit den Papptellern gelungen. Zuletzt hatte in Bergedorf Weryhas Mahnmal für Zwangsarbeiter Kontroversen ausgelöst. "Wenn Kunst zum Nachdenken anregt, zum Dialog führt, dann berührt sie die Menschen."

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