Windkraft

CDU wirft SPD Täuschung der Bürger vor

Windkraft: Was leisten Riesen wirklich?

"Die Sozialdemokraten betreiben eine gezielte Irreführung der Bergedorfer beim Bürgerentscheid zur Windkraft", sagt der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete, dem jetzt die Antwort des Senats auf seine Kleine Anfrage zur geplanten Aufstockung der Riesen von derzeit 100 auf 180 Meter vorliegt.

Tatsächlich widerlegt die SPD-Landesregierung gleich im ersten Punkt eine Kernthese der Sozialdemokraten des Bezirks, die sie auch in ihrem Begleitschreiben zum Bürgerentscheid an alle Bergedorfer verschickten. "Sie behaupten, dass Bergedorf mit der Aufstockung der Windkraft-Riesen den Energiebedarf seiner Haushalte selbst erzeugt. Der Senat aber schreibt nur von 29,5 bis bestenfalls 44,3 Prozent", wundert sich Gladiator.

Ein Detail, das umso mehr verwundert, weil die gesamte Antwort eigentlich in vornehmer Zurückhaltung formuliert ist. Zu heiß scheint dem Senat das noch bis Donnerstag laufende Finale des Bürgerentscheids. Zwar ist er rechtlich nicht bindend. Aber sollten die Bergedorfer die Flächennutzungsplan-Änderung ablehnen, ist eine Debatte in der Bürgerschaft sicher.

Entsprechend wissenschaftlich-distanziert fallen die Antworten der SPD-Landesregierung aus. Nirgends wird auf die von Gladiator geforderte Einschätzung zu Lärm, Leistung, Verteilung und Akzeptanz der künftigen Riesen eingegangen. Zur zuletzt heftig kritisierten "Akzeptanz-Studie", in der die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) eine Zustimmung von 63 Prozent der Bergedorfer zu den 180-Meter-Riesen ermittelte, heißt es sogar nur: Der Senat habe sich "hiermit nicht befasst" - dabei liegt unserer Zeitung eine Stellungnahme der HAW vor, die auf Anforderung des Senats geschrieben wurde.

Verwunderung herrscht bei der Hochschule jetzt auch über die vom Senat genannte Leistung der projektierten Windkraftanlagen. "Es ist zu vermuten, dass die dort angenommenen 2250 Volllast-Stunden pro Jahr für eine Anlage geringerer Gesamthöhe und mit geringerem Rotor-Durchmesser gilt", sagt Michel Molenda, Sprecher der HAW-Windkraftforscher. Dabei könne durch die geplanten 180 Meter Höhe und 120 Meter Rotordurchmesser "deutlich mehr Wind geerntet werden". Korrekt seien in Hamburg knapp 3370 Stunden in Volllast pro Jahr, was mehr als zehn Gigawatt je Anlage bedeute, statt der vom Senat maximal projektierten 6,7 Gigawatt.

Der CDU-Vermutung, den Forschern genügten 100-Meter-Anlagen, tritt Molenda entgegen: "Einerseits sind kleinere Anlagen Auslaufmodelle. Andererseits wäre eine Übertragung der an ihnen gewonnenen Werte zu Windlasten, Materialermüdung und Schwingungen wissenschaftlich mehr als fragwürdig."