Debatte

Streit um 180-Meter-Windanlagen

Aufstockung: CDU und FDP dagegen - SPD, Grüne, Linke und Piraten in Bezirksversammlung dafür

Das lässt sich aus der vorgeschriebenen Entfernung von 850 Metern zum nächsten Wohnhaus gar nicht erkennen", sagte Jan Penz in der jüngsten Sitzung des Bezirksparlaments.

Doch der Raum für ein Nachdenken über derart nüchterne Äußerungen blieb klein, wurde die Bezirksversammlung doch geradezu zur Bühne für eine Wahlkampfschlacht. Denn heute in 18 Tagen steht der Bürgerentscheid über die Aufstockung der Maximalhöhe auf 180 Meter an, die wohl auch über die Ansiedlung der Windenergieforschung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) entscheidet.

Die Front verläuft klar zwischen CDU und FDP auf der ablehnenden und dem Rest der Bergedorfer Fraktionen auf der zustimmenden Seite. Sven Noetzel (CDU) eröffnete die Diskussion mit der These, dass 100-Meter-Anlagen für die Wissenschaft völlig ausreichten und die HAW die Bürger mit ihrer aktuellen Akzeptanz-Studie veräppele: "Die dort suggerierten 63 Prozent an Zustimmung sind Augenwischerei, weil die Befragung gar nicht die Erhöhung auf 180 thematisiert hat." Für ihn sei klar: "Das geht alles nur, wenn es in Einklang mit den Menschen und der Kulturlandschaft der Vier- und Marschlande steht." Dass das nicht der Fall ist, liegt für Sven Eichner (FDP) auf der Hand: "Die Riesen könnten auch außerhalb Hamburgs stehen."

Paul Kleszcz (SPD) versuchte sich an der Verteidigung der HAW-Studie: "Es geht doch in Wirklichkeit um die grundsätzliche Frage, ob wir die Windenergie mit einem Forschungszentrum in Bergedorf effektiver machen wollen. Und das braucht tatsächlich die 180-Meter-Anlagen." Die Studie zeige, dass die Bergedorfer genau dazu bereit seien. Ähnlich sieht es Nicolai von Podlewski (Grüne): "Neben der Forschung haben wir die einmalige Gelegenheit, saubere Energie für Bergedorf zu produzieren. Allein schon deshalb können die Menschen mit den Anlagen leben."

Linken-Fraktionschef Stephan Jersch mahnte dazu, der Windkraft-Forschung in Bergedorf nicht zu enge Grenzen zu setzen. Und er wunderte sich über CDU und FDP: "Eine derart wirtschafts- und fortschrittsfeindliche Einstellung dieser Fraktionen raubt mir geradezu den Atem."