Sternwarte

Nur die Chefin muss noch ohne Bezahlung arbeiten

Bergedorf. Andrea Klerman ist eine Kämpferin. Und zwar eine erfolgreiche: Mit Beharrlichkeit, Professionalität und letztlich großem Durchsetzungsvermögen ist es der Gastronomin gelungen, dass ihr "Café Raum & Zeit" samt angeschlossenem Besucherzentrum auf dem Gelände der Sternwarte auf einem guten Weg ist:

"Ich selbst arbeite hier zwar noch ohne Bezahlung. Aber der Gastronomiebetrieb ernährt schon zwei Teilzeit- und sieben 400-Euro-Kräfte. Damit sind wir auf einem guten Weg."

Der Zuspruch vor allem für den Sonntags-Brunch, aber auch den Sonnabend-Angeboten (Öffnungszeiten jedes Wochenende täglich 10 bis 18 Uhr) sowie den Führungen liegt im Plan, sagt die 45-Jährige: "Die Besucherzahl hat sich seit 2011 verdoppelt. Wenn es in diesem Jahr noch mal so nach oben geht, wir die 50 000 erreichen, trägt sich der Betrieb inklusive mir als dann bezahlter Geschäftsführerin."

Andrea Klerman ist optimistisch. Auch wenn den vielfach ortsfremden Besuchern der Sternwarte bei der Anreise aus Hamburg oder ganz Norddeutschland noch reichlich Hindernisse in den Weg gelegt werden. "Es ist zwar schön, dass es Großereignisse wie die Lange Nacht der Museen oder Tage der offenen Tür der Sternwarte mit Tausenden Menschen gibt. Aber die kommen dann über den Zugang am Gojenbergsweg. Zieht es sie später nochmals hierher, stehen sie dort am Wochenende vor einem verschlossenen Tor. Denn geöffnet ist dann nur der 500 Meter entfernte Zugang an der August-Bebel-Straße 196", sagt Klerman. "Das mag wie eine Kleinigkeit klingen, doch so etwas schreckt ab."

Es gilt weitere Hindernisse zu beseitigen: So gibt es mit Ausnahme zweier kleiner Schilder an Wentorfer Straße und Holtenklinker Straße keine öffentlichen Hinweise auf die Sternwarte. Die Buslinie 335, die als einzige zum Observatorium fährt, trägt lediglich den Namen "Bergedorf, Friedhof" - und hat den Halt "Sternwarte (Eingang)" - ausgerechnet am Zugang Gojenbergsweg. Der ist an Wochenenden geschlossen - außer an Tagen der offenen Tür.

Einen spürbaren finanziellen Rückschlag hat zudem der Verbund der Hamburger Museen verursacht: Das Besucherzentrum der Sternwarte wurde vom Museumsdienst an Andrea Klerman übertragen, seitdem erscheinen die beliebten Kindergeburtstage auf der Sternwarte nicht mehr in der Broschüre "Die Hamburger Museen".

"Die Folge war ein Rückgang der Kinderfeste von 50 auf nur noch 15 im Jahr", berichtet die neue "Chefin" des Besucherzentrums. Sie wollte eine bezahlte Anzeige schalten. Selbst die wurde abgelehnt. Begründung: Die Sternwarte sei kein Museum.

Andrea Klerman lässt sich trotzdem die Stimmung nicht verderben. Sie ist überzeugt, letztlich am längeren Hebel zu sitzen: "Natürlich würde ich mir wünschen, hier endlich als Teil der Kulturlandschaft Hamburgs wahrgenommen und gefördert zu werden", sagt sie. "Es wäre doch schade, dass das alles erst aufgebaut wird, wenn wir am Ende dieses Jahrzehnts Weltkulturerbe geworden sind."

Details ihrer bisherigen Bilanz berichtet Andrea Klerman im Wirtschaftsausschuss der Bezirksversammlung am 20. Februar (Rathaus, Wentorfer Straße 38). Die öffentliche Sitzung beginnt im 17.30 Uhr.

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