Berufswehr

Poker um die Feuerwache in Neuallermöhe

Bergedorf. Die Berufsfeuerwehr könnte Hamburgs Doppelhaushalt 2013/14 sprengen: Bis zu 35 Millionen Euro zusätzliche Personalkosten und ebenso viele Investitionen in die Verlegung und den Neubau von insgesamt neun Feuerwachen fordern Experten im gestern veröffentlichten Strategiepapier.

Es geht um 644 zusätzliche Kollegen (plus 35 Prozent) und unter anderem den Neubau einer Wache in Neuallermöhe sowie die Verlagerung der Berufsfeuerwehr Billstedt Richtung Bergedorf.

Die Brisanz der Untersuchung, die vor zwei Jahren noch vom schwarz-grünen Senat in Auftrag gegeben worden war, zeigt sich im monatelangen Taktieren der Innenbehörde: Obwohl das fast 800 Seiten starke Papier seit März vorlag, wurde es erst gestern unter www.hamburg.de (Stichwort: Strategiepapier) ins Internet gestellt - einen Tag bevor der Etat der Innenbehörde für die kommenden zwei Jahre im Innenausschuss beraten wird. "Und darin ist der zusätzliche Finanzbedarf mit keinem Euro vorgesehen", ärgert sich der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Gladiator, der Senator Michael Neumann (SPD) bewusste Geheimhaltung vorwirft.

Der Christdemokrat will heute nun die Selbstbefassung des Ausschusses mit dem Thema beantragen und Neumann zur Rede stellen: "Seine Referentin hatte in einem Interview mit dem NDR-Fernsehen die Empfehlungen des Gutachtens am Montag noch rundheraus abgelehnt und keinerlei Handlungsbedarf gesehen. Das muss uns der Senator genauer erklären."

Der Berufsverband der Feuerwehr Hamburg sieht Neumanns Haltung als lebensgefährlich für die Bürger der Stadt: "Eine Nichtumsetzung der Vorschläge des Strategiepapiers hätte zur Folge, dass die Daseinsvorsorge der Hamburger nicht mehr gewährleistet ist", sagt Vorsitzender Daniel Dahlke.

Konkret fordern die Fachleute im Strategiepapier, einen Wohnungsbrand im Stadtgebiet in 95 Prozent der Fälle innerhalb von zehn Minuten mit mindestens zwei Einsatzfahrzeugen und maximal drei Minuten später mit einem weiteren erreichen zu können. Das würde 644 zusätzliche Berufsfeuerwehrleute erfordern. Im weitläufigen Bezirk Bergedorf sei dafür zudem die neue Wache in Neuallermöhe und der Umzug der Billstedter nötig.

Für Dahlke ist klar, dass der Senat beim Blick auf die leeren Kassen so teure Projekte nicht freiwillig umsetzen wird: "Jetzt ist es wichtig, dass die Bürger über ihre Politiker Druck machen. Es kann nicht sein, dass an der Sicherheit der Hamburger gespart wird."