Quo Vadis

Altkleidersammlung mit Gotthilf Fischer?

Lohbrügge (stri). Anja Dietz kommt diese Werbung reichlich ominös vor: An ihrer Lohbrügger Hauswand klebte der Aufruf einer Altkleidersammlung, die den Anschein erweckt, für einen guten Zweck zu sammeln.

Empfänger sei der gemeinnützige Verein "Quo Vadis Vereine Jugend- und Altenhilfe" aus Esslingen. "Auf deren Internetseite werden aber Dienstleistungen gegen Bezahlung angeboten", sagt Dietz verwundert. Tatsächlich: Sieben Euro pro Stunde sollen Kranke und Alte zahlen, wenn sie etwa ihren Keller entrümpeln oder den Hof kehren lassen wollen.

Jedes geworbene Mitglied wird mit 50 Euro belohnt, heißt es. Damit wird sich Gotthilf Fischer nicht begnügt haben: Der berühmte Chorleiter wird als Schirmherr des Vereins genannt. Da trifft es sich wahrscheinlich gut, dass auch gut betuchte Senioren auf dem "Marktplatz" der Internetseite willkommen sind: Versteigerungen von Schmuck, Antiquitäten, Kunstgegenständen und Immobilien sind vorgesehen, eine "Provision" gehe an den Verein.

Zurück zu den alten Kleidern: Die werden - laut Werbezettel, der auch gern mal in Waschkörben vor der Haustür liegt - von der "ChahrourTex GmbH" abgeholt, die in Buxtehude. "Die Firma ist etwas nebulös: Der Inhaber ist ein Hassan aus Berlin, und die Website ist eine polnische Seite", hat Anja Dietz herausgefunden.

Ein Anruf bei der Hamburger Verbraucherzentrale bringt Klarheit: "Es handelt sich um einen eingetragenen Verein, der nicht gerade vertrauenerweckend ist. Aber das muss er auch nicht sein, wenn er mit Altkleidern Geld verdienen will", sagt Experte Dirk Petersen.

Nur selten komme das Geld Hilfebedürftigen zu Gute: "Meist sind es kommerzielle Sammler, die die Kleidung - je nach Qualität - nach Afrika oder Russland verkaufen", sagt Petersen. Manches werde auch für die Herstellung von Dämmstoffen verwendet. Der Sammel-Aufruf sei insofern seriös, als dass die Firma telefonisch erreichbar ist und ihren Zweck nicht verheimlicht. Dennoch rät die Verbraucherzentrale: "Wer armen Menschen helfen will, sollte sich besser an seine örtliche Kirche wenden und fragen, ob von dort Obdachlose oder Menschen in der Dritten Welt unterstützt werden."